Erstmals wird Müttern in Bolivien ein Kindergeld gezahlt. Der »Mutter-Kind-Bonus« wurde letzte Woche von der Regierung »Bewegung zum Sozialismus« (MAS) auf den Weg gebracht, um die anhaltend hohe Sterblichkeitsrate von Müttern und Neugeborenen im ärmsten Land Südamerikas (Armutsrate 60 Prozent) zu bekämpfen. Die Zuwendungen von insgesamt rund 190 Euro verteilen sich über zwei Jahre. Geknüpft sind diese an die Teilnahme an vier pränatalen Vorsorgeuntersuchungen und einer unmittelbaren Nachgeburtsuntersuchung, wo das Geld ausgezahlt wird.
Bis das Kind das zweite Lebensjahr erreicht hat, werden weitere zwölf Raten ausgegeben. Das Programm, das laut Präsident Evo Morales »jedem Genossen, der in Bolivien Familie erwartet«, zusteht, startet bereits am Muttertag, dem 27. Mai. »Wir fangen klein an, wollen aber mehr. Das Ziel ist, dass Mütter und Kinder gut genährt und gesund sind«, so Morales.
»Der Staat muss das Leben, die Ernährung, die volle Entwicklung der Kinder garantieren«, wies Boliviens Planungsminister für Entwicklung, Noel Aguirre, erste Kritik der Opposition zurück. »Das ist unsere oberste Pflicht, anstatt darüber nachzudenken, ob wir Geld haben oder nicht«, so Aguirre. Boliviens Opposition wirft der MAS-Regierung vor, Wahlkampf auf Staatskosten zu betreiben und das Land in den wirtschaftlichen Ruin zu stürzen. »Morales begünstigt Leute, die Geld bekommen, ohne zu arbeiten. Irgendwann wird auch diese Blase platzen, die nicht gezahlt werden kann«, zeigt sich Peter Maldonado von der konservatien Partei »Nationale Einheit« besorgt.
Finanziert werden soll der »Mutter-Kind-Bonus« zu einem Teil aus dem Staatshaushalt, zum anderen mit Geldern aus der internationalen Entwicklungshilfe.
Aktuelle Ausgabe: 23.05.2012
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