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Video belastet britische Polizei

Bei den G20-Protesten gestorbener Mann war zuvor von Sicherheitskräften attackiert worden

Scotland Yard am Pranger: Nach dem Tod eines Mannes bei den G20-Protesten in London hat ein Video von dem Einsatz die Polizei in Erklärungsnot gebracht.

London (ND/Agenturen). Das Amateurvideo zeigt, wie ein bewaffneter Polizist den 47-jährigen Ian Tomlinson schlägt und dann zu Boden stößt. Nur wenige Minuten später brach der Mann zusammen und erlitt einen Herzinfarkt. Scotland Yard hatte bisher behauptet, vor dessen Tod keinen Kontakt mit Tomlinson gehabt zu haben. Die Regierung forderte eine umgehende Untersuchung. Scotland Yard stehen nun strafrechtliche Ermittlungen ins Haus.

Tomlinson – ein Zeitungsverkäufer – war kollabiert, als er am Mittwoch voriger Woche von seiner Arbeit in der Londoner City nach Hause ging. An den lautstarken Protesten, zu denen Tausende Gipfelgegner in das Bankenviertel gekommen waren, hatte er sich nach Angaben seiner Familie nicht beteiligt. Eine Obduktion ergab, dass Tomlinson an einem Herzinfarkt gestorben war.

Polizeichef Paul Stephenson räumte am Mittwoch ein, dass das Video »Bedenken« hervorrufe. Er versprach eine eingehende Untersuchung. Innenministerin Jacqui Smith drängte die Polizeiaufsichtsbehörde, ihre Untersuchungen »so schnell wie möglich« abzuschließen. Sie schloss auch eine anschließende strafrechtliche Verfolgung nicht aus.

Auf dem Video, das die Zeitung »The Guardian« auf ihrer Website veröffentlichte, ist zu sehen, wie Tomlinson mit den Händen in den Hosentaschen vor einer Reihe Polizisten geht. Später schlägt ihm ein Beamter mit einem Schlagstock in die Beine und stößt ihn zu Boden, obwohl er sich nicht gewehrt hatte. Tomlinson steht auf, stirbt aber später nahe der Bank of England, wo sich die Gipfelgegner versammelt hatten und von der Polizei in Schach gehalten wurden. Die Familie des Opfers forderte, den Fall umgehend zu klären. »Wir wollen Antworten«, sagte Stiefsohn Paul King. »Wir haben jetzt gesehen, dass die Polizei mit Ian Kontakt hatte. Ob das etwas mit seinem Tod zu tun hat oder nicht, wissen wir nicht.« King fügte hinzu: »Wir wollen um der Familie und der Kinder Willen Gerechtigkeit. Bis nicht alles ans Licht kommt und wir die Beweise haben, die wir brauchen, können wir unseren Vater nicht zur Ruhe legen.«

Laut »Guardian« wurde Tomlinson auch von einem Polizisten mit einem Schlagstock an den Oberschenkel geschlagen. Das ist auf dem von einem Fondsmanager aus New York gedrehten Video aber nicht zu sehen.

Zuvor hatten sich bereits Zeugen gemeldet, die aussagten, dass die Polizei den Mann angegriffen hatte. Die Polizei hatte dagegen erklärt, von Demonstranten attackiert worden zu sein, als sie dem Mann helfen wollte. Bei den Protesten war es zu Krawallen und Ausschreitungen gekommen.

Die Opposition forderte strafrechtliche Ermittlungen gegen die betroffenen Polizisten. »Das Video zeigt deutlich einen nicht provozierten Angriff eines Polizisten auf einen Passanten. Das ist widerlich«, sagte David Howarth von der liberaldemokratischen Partei. »Alarmierend« sei das Video und werfe »große Fragen« auf, sagte der Schatten-Innenminister der Konservativen, Chris Grayling. Die Polizei-Aufsichtsbehörde IPCC kündigte eine Untersuchung des Videomaterials an. Dieses werde zusammen mit anderen Aussagen und Fotos des Vorfalls analysiert.

Erinnerungen wurden wach an den wohl tragischsten Fehler der Londoner Polizei: 2005 hatte sie nach den Anschlägen auf die Londoner U-Bahn einen unschuldigen Brasilianer erschossen.

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