Die Bilanz von Baden-Baden und Straßburg fällt durchwachsen aus: Zu den Demonstrationen gegen den NATO-Gipfel kamen weniger Menschen als von den Organisatoren erwartet. Und das Abfackeln von Gebäuden stieß nicht überall in der Friedensbewegung auf Begeisterung. Mit den Ostermärschen an diesem Wochenende will die Friedensbewegung ihre Positionen und Forderungen erneut auf die Straße tragen. Nach Angaben des Bonner Netzwerks Friedenskooperative und des Bundesausschusses Friedensratschlag sind in mehr als 70 Städten Demonstrationen, Mahnwachen und Kundgebungen geplant.
Die meisten Aktionen sind für heute und morgen angekündigt. In Braunschweig und anderen Städten planen Friedensgruppen Fahrrad-Demonstrationen. Heute beginnen auch die traditionellen Ostermärsche durch dass Rheinland und das Ruhrgebiet. Im thüringischen und niedersächsischen Eichsfeld treffen sich Ostermarschierer an der früheren deutsch-deutschen Grenze zu einer Kundgebung.
Hauptthemen der diesjährigen Ostermärsche sind der Nahostkonflikt, atomare Abrüstung, der Krieg in Afghanistan sowie die NATO. Diese gehört spätestens seit 1991 aufgelöst, nachdem ihr mit der Auflösung des Warschauer Vertrags der äußere Feind abhanden gekommen sei, heißt es in mehreren Aufrufen. Ihre Umwandlung in ein global agierendes Interventionsbündnis wird ebenso kritisiert wie der von ihr stimulierte gigantische Rüstungswettlauf: 70 Prozent der 1,3 Billionen US-Dollar, die das Militär weltweit pro Jahr ausgibt, gehen auf das Konto der NATO-Staaten«, so der Friedensratschlag. »Ein Bruchteil des Geldes würde ausreichen, die ehrgeizigen Entwicklungsziele der UNO wie z. B. die Halbierung der Armut bis 2015 zu erreichen.«
Scharf wird insbesondere die NATO-Mission in Afghanistan kritisiert. Mehrere Aufrufe stellen diesen Krieg als ein Desaster und als Katastrophe für das Land dar. Die angeblich neue Strategie des Bündnisses werde »als Rohrkrepierer enden«, weil sie daran festhalte, den Krieg militärisch zu gewinnen. Sicher habe US-Präsident Barack Obama in vielen Punkten mit der bornierten Politik der Bush-Administration gebrochen, so das Netzwerk Friedenskooperative: »An einer weltweit für ihre Interessen Krieg führenden NATO und einer Ausweitung des Kriegs in Afghanistan hält er fest.«
An mehreren Orten rücken die Ostermarschierer regionale oder lokale Themen in den Blickpunkt. Im brandenburgischen Wittstock hält die Bundeswehr trotz starker Proteste aus der Bevölkerung und gegen mehrere Gerichtsurteile an der Wiederinbetriebnahme eines Bombenabwurfplatzes fest. Auf dem 140 Quadratkilometer großen »Bombodrom« sollen Kampfflugzeuge Luft-Boden-Angriffe üben. Die Demonstration gegen das »Bombodrom« ist seit Jahren der am besten besuchte Ostermarsch.
Eine Prognose über die Beteiligung an den diesjährigen Ostermärschen wagen die Organisatoren nicht. »Die Erwartungen, was die Teilnehmerzahlen betrifft, bewegen sich in etwa auf dem Niveau vergangener Jahre«, heißt es beim Friedensratschlag. Man rechne »weder mit Einbrüchen noch mit spektakulären Höhenflügen«. 2007 und 2008 demonstrierten nach Angaben des Frankfurter Ostermarschbüros jeweils einige zehntausend Menschen.
Die Ostermarsch-Bewegung entstand vor 50 Jahren in Großbritannien, die erste Demonstration führte am 7. April 1958 von London zur Atomforschungsanlage Aldermaston. In der Bundesrepublik gab es 1960 den ersten Ostermarsch. Einige hundert Demonstranten protestierten damals gegen den Truppenübungsplatz Bergen-Hohne in Niedersachsen.
Infos zu den Ostermärschen unter www.friedenskooperative.de/om2009ndx.htm
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