|
Palmen am Monbijoustrand in Mitte geben einen Vorgeschmack auf den Klimawandel.
Foto: ND/Burkhard Lange
|
Steppe in Marienfelde, Dauerhitze im Sommer und faulig stinkende Badeseen könnten die Attraktionen der Hauptstadt im Jahre 2055 sein. Solche Bilder malt eine Studie, die das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) zum Klimawandel in Berlin vorstellte. In den nächsten 46 Jahren soll die Temperatur in Berlin um durchschnittlich 2,5 Grad steigen. Tropische Sommer mit Dürreperioden stehen der Hauptstadt bevor.
Hauptproblem des Klimawandels bleiben steigende Temperaturen. Nur eine weniger dichte Bebauung und Kaltluftschneisen könnten die Überhitzung der Stadt im Sommer mindern, sagte Hermann Lotze-Campen vom Potsdamer Institut während der Vorstellung der Klimastudie. Dem wirke aber die städtebauliche Entwicklung Berlins entgegen. Zurückhaltend empfahl Lotze-Campen der Staatssekretärin für Stadtplanung Maria Krautzberger, solche Aspekte bei Bauprojekten mehr zu beachten. Diese kündigte an, der Senat werde die Größe und Höhe der Gebäude bei zukünftigen Baugenehmigungen überdenken.
Bauvorhaben auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof oder ein Hochhaus-Ensemble am Alexanderplatz wären Beispiele enger Bebauung, die den Wärmestau in der Stadt verstärken würden. Hinzu kommt die anvisierte Verlängerung der A 100. Die Autobahn würde zu noch mehr Staubpartikeln in der Luft führen. Die Partikel heizen sich auf und verstärken den Effekt der Erwärmung des Mikroklimas.
Dieser Effekt lässt sich nicht ausgleichen, da sich Berlins Baumbestand verringert. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) gab bekannt, die Baumneupflanzungen würden nicht mehr mit den Abholzungen Schritt halten. Berlin verliere somit jährlich bis zu 3000 Bäume. Eine Spirale der Erwärmung des Stadtklimas ist die Folge.
»Bereits die letzten fünf Jahre mussten wir einen erhöhten Wasserverbrauch auch bei der Pflege der Parkanlagen registrieren. Der Boden trocknet viel zu schnell aus«, stellt Regine Grafe vom Amt für Umwelt und Natur in Mitte klar. Davon sind vor allem Tiere und Pflanzen in Feuchtgebieten – etwa die Sumpfdotterblume in den Grunewaldmooren – bedroht, erklärt Herbert Lohner vom BUND. Bisher fremde Pflanzen- und Insektenarten – so die süddeutsche Orchidee – seien in Berlin schon heimisch geworden. Allergieauslösendes Unkraut wie die Ambrosie gedeihen durch den Temperaturanstieg noch besser. Grafe fordert zum Schutz der biologischen Vielfalt den Erhalt des Grüns an den Straßen. Das trage zur Biodiversität bei. Und die Wurzeln könnten das seltenere Regenwasser länger in oberen Erdschichten halten.
Ausbleibender Sommerniederschlag könnte in Teilen Brandenburgs zur Versteppung führen. Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg hätte ähnlich wie Südbrandenburg unter weniger Regen zu leiden.
»Jetzt schon solche Aussagen zu treffen, halte ich für sehr mutig«, sagt Birgit Fritz-Taute, Referatsleiterin für Wasserwirtschaft beim Senat. »Gerade im südlichen Berlin haben wir durch den sehr hohen Grundwasserspiegel eher zu viel als zu wenig Wasser. »Man muss sich mehr Sorgen um die abnehmende Fließgeschwindigkeit der Gewässer in Folge der Klimaerwärmung machen. Damit geht eine abnehmende Wasserqualität einher«, so Fritz-Taute. Die Strandbadbetreiber könnten sich zwar über lang anhaltende tropische Hitze freuen. Die hohe Nährstoffkonzentration verwandelt die Seen jedoch in Tümpel.
Angekündigt wird ein Anstieg der Extremereignisse um 20 Prozent. Die Winter würden arm an Frost, aber umso niederschlagsreicher werden. Von der Senatsverwaltung für Inneres hieß es beruhigend, Berlin sei schon seit 2007 für die veränderte Situation gewappnet.
»Die Berliner Feuerwehr hat sich bereits auf die Ergebnisse der Studie eingestellt, bevor es die Studie überhaupt gab«, war aus der Innenverwaltung zu hören. Seit 2004 sei ein kontinuierlicher Anstieg witterungsbedingter Einsätze zu verzeichnen. Dem Starkregen würde die Berliner Feuerwehr mit Hochleistungspumpen trotzen. »Die können 5000 Liter pro Minute aus überfluteten Straßen und Tunneln pumpen.«
Zehn »Wetterpakete« stehen den Einsatzkräften seit dem Jahre 2008 zur Verfügung. Paletten mit speziellem Gerät wie Stromaggregate, Halogenscheinwerfer und Kettensägen könnten im Notfall mit Lastwagen zum Einsatzort gebracht werden.
Aktuelle Ausgabe: 23.05.2012
Intime Sinneseindrücke Die Galerie der Berliner Graphikpresse zeigt Edmund Kestings Spätwerk
Kaum Wohnungen für Hartz-IV-Empfänger 70 000 Haushalte auch nach neuer Regelung mit zu hohen Mieten
Kabelbrand stoppte S-Bahnen Verkehr gestört/ Züge pendelten oder Busse fuhren als Ersatz
Berlin befindet sich im Wandel. Die damit einhergehenden Veränderungen sehen die einen als unvermeidliche und positive Stadtentwicklung. Andere verstehen diesen Prozess als Bedrohung. Investoren, die vom Berliner Charme profitieren möchten, werten ganze Viertel auf: Die Mieten steigen, Clubs werden rausgeklagt und am Ende steht eine ausgetauschte Mieterschaft.
Preis: 75,00 €
Preis: 17,99 €
Werbung:
Werbung: