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Von John Dyer, Boston 16.04.2009 / Wirtschaft

Es droht die zweite Blase

Banken »horten« zwangsversteigerte Häuser in den USA

Die Immobilienblase von 2008 war Auslöser einer weltweiten Krise des Finanzsystems. Tatsächlich könnte eine zweite Blase drohen. Viele Banken halten zwangsversteigerte Immobilien zurück, wollen sie erst auf den Markt geben, wenn die Preise besser sind.

Den USA könnte eine zweite Immobilienblase drohen. Viele Banken haben einen umfangreichen »Schattenbestand« an Häusern aufgebaut, deren Besitzer ihre Hypotheken nicht mehr bezahlen konnten. Die Mehrzahl dieser Häuser lässt sich momentan nicht zu einem vernünftigen Preis absetzen. Deshalb halten die Banken sie zurück und hoffen auf bessere Zeiten am Devisenmarkt. Wenn sich der Markt erholt und der zurückgehaltene Bestand darauf drängt, könnten die Preise drastisch nachgeben und einen Effekt wie das Platzen der Immobilienblase 2008 verursachen, so Experten.

»Es gibt die reale Gefahr, dass es viel mehr Zwangsversteigerungsbestand gibt, als wir erfassen konnten«, sagte Celia Chen, Immobilienexpertin bei Moodys Economy. »Wenn sie alle auf den Markt gebracht werden, dann bringt das mehr Angebot auf einen ohnehin aufgeblähten Markt und das wird die Hauspreise noch weiter nach unten treiben.«

Als der US-Häusermarkt im vergangenen Sommer zusammenbrach, führte das zu einer Kernschmelze im Bestand hypothekengesicherter Wertpapiere und in der Folge zu einer Unterminierung des gesamten Finanzsystems. Es scheint derzeit offen, ob eine zweite derartige Entwicklung auf dem US-Hausmarkt dieselben Folgen für das Finanzsystem haben würde. Allerdings scheint niemand wirklich zu wissen, wie groß der »Schattenbestand« tatsächlich ist. Patrick Newport von Global Insight, einer Marktforschungsfirma in Massachusetts: »Wenn es eine wirklich hohe Zahl ist, dann werden die Preise noch viel weiter fallen und tiefgreifende Probleme für das Finanzsystem bringen.«

Hausbesitzer würden leiden und Hauskäufer sich die Hände reiben, sollten die Banken tatsächlich Häuser »en masse« anbieten. »Wir glauben, dass die Rückübernahme von Häusern durch Banken bei um die 600 000 Einheiten landesweit liegt«, erklärt Rick Sharga, Vizepräsident des Marktforschers RealtyTrac. Sharga sagte, RealtyTrac habe erst kürzlich die Liste der in den Besitz von Banken zurückgegangenen Häusern mit der von diesen zum Kauf angebotenen verglichen. Nur ein Drittel der Zwangsversteigerungen sei auf den Markt gegeben worden. Das Problem könnte um ein Vielfaches wachsen, falls die Banken sich entschließen sollten, ihren Bestand anzubieten, wenn die normalen Hausbesitzer glauben, dass die Preisentwicklung sich endlich wieder normalisiere: »Denken Sie nur an die ungeheuere Zahl der Menschen, die ihr Haus im vergangenen Jahr eigentlich verkaufen wollten, aber sich entschlossen, den richtigen Moment abzuwarten«, sagte Spencer Rascoff vom Immobilieninformationsdienst Zillow. »Sobald mehr Käufer auf dem Markt auftauchen, werden diese [Schattenbestände] jede neue Nachfrage ersticken.«

Banken weisen die Befürchtung einer neuen Immobilienblase indes zurück. Man habe es schlicht mit einem Überangebot an Häusern und dem entsprechen Preisrückgang zu tun. »Wir wollen nicht als Hausbesitzer einsteigen«, sagt Tom Kelly vom Bankgiganten Chase. »Unser Ziel ist, die Häuser so rasch wie möglich wieder auf den Markt zu bringen. Wir wollen das Höchstmögliche an Preis erzielen und das so schnell wie möglich.«

Die Sorgen über eine neue Blase wurden unterdessen durch die verstaatlichten Hypothekenfirmen Freddie Mac und Fannie Mae geschürt, die das Moratorium für notleidende Hypotheken zum 31. März auslaufen ließen. Obwohl nun Zwangsversteigerungen fällig werden, ist die entsprechende Zahl im April nicht gestiegen. Woran das liegt, ist unklar. »Zwangsversteigerungen werden künstlich niedrig gehalten«, vermutet Sean O'Toole, Chef von ForeclosureRadar. »Bei dem Druck, den die Banken haben, werden sie kaum Interesse haben, weitere Verluste in ihren Büchern auszuweisen.«

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