Von René Heilig
17.04.2009

Das 21. tritt gegen das 17. Jahrhundert an

Piratenjagd wird Chefsache: Hillary Clinton steigt auf die Kommandobrücke

US-Außenministerin Hillary Clinton berief eine Krisensitzung der von den USA geführten internationalen Kontaktgruppe ein. Genug sei genug, den Piraten vor Somalia müsse das Handwerk gelegt werden. Frage: Was hindert die internationale Gemeinschaft daran? Antwort: Vielleicht die Nützlichkeit einer regional-latenten Krise?

Clinton trat am Mittwoch (Ortszeit) vor die Presse, wollte eigentlich über Haiti sprechen und verlor sich zunächst einmal in Heldenverehrung. Sie lobte »Mut und Heldentum« der überfallenen »Maersk Alabama«-Besatzung sowie die Tapferkeit der US-Marine. Diese Männer seien das Beste, das Amerika aufzubieten hat. Ganz im Gegenteil zu dem, was da aus Somalia auf die Meere treibt. »Diese Piraten sind Kriminelle, es sind bewaffnete Banden auf hoher See. Wer Angriffe plant, muss gestoppt werden. Wer sie ausgeführt hat, muss von der Justiz abgeurteilt werden«, sagte Clinton. Und dann nahm sie dem »Schauspiel« vor der afrikanischen Küste jeglichen noch vorhandenen Hauch von Romantik. Man habe es zwar mit einem Verbrechen aus dem 17. Jahrhundert zu tun, müsse dagegen jedoch die Mittel des 21. Jahrhundert einsetzen, betonte sie.

Genau das tut die Gruppe, die sich als internationale Gemeinschaft bezeichnet und ganze Kriegsflotten in die bedrohte Gegend geschickt hat, bereits seit einigen Monaten. Doch nicht »Mut und Heldentum« oder »Tapferkeit« gewinnen die Oberhoheit, sondern jene »Kriminellen«, die mit gammligen Booten und verrosteten Waffen auf Beutejagd gehen. Trotz einer immer wieder verstärkten Armada von Hightech-Kriegsschiffen und Flugzeugen ist es auch nach fünf Monaten nur unzureichend gelungen, einen gefahrlosen Transport von Hilfsgütern ins somalische Krisengebiet zu garantieren. Und so fragen sich Fachleute, ob nicht genau das vielleicht das gewünschte Ergebnis ist.

Immer wieder wird beklagt, dass es sich ob der Verschlagenheit der Piraten um einen asymmetrisch geführten Kampf handelt. Ja und?! Genau das ergibt sich doch aus der Logik des von den USA begonnenen Feldzugs gegen den Terrorismus, der nun immer mehr zu einem Kampf gegen Piraten wird. Wer hat im Ernst angenommen, dass die in jeder Weise unterlegenen anti-westlichen Kampfgruppen sich erst mit modernen U-Booten, Fregatten und Aufklärungssatelliten hochrüsten müssen, um ihre Interessen auf Augenhöhe, quasi Schiff gegen Schiff durchzusetzen?!

Nein, sie kommen mit kleinen Holzbooten, deren Einsatzradius eng begrenzt ist. So eng, dass man sie durch die beim US-Militär vorhandene kosmische und irdische Aufklärungstechnik mühelos aufspüren kann, wenn sie ihre Stützpunkte verlassen, damit ihre stümperhaft ausgebildeten Besatzungen mit alten Reaktivgeschossen, die heute nicht einmal mehr einen Panzer erschrecken können, riesige Schiffe attackieren.

Und was ist mit den Mutterschiffen der Piraten? Sollte es den hochgerüsteten Kriegsmarinen wirklich unmöglich sein, diese 20 Kähne unter Kontrolle zu halten und notfalls auszuschalten?

Noch etwas kommt hinzu. Da das Piratenunwesen – unabhängig von seinen oftmals sozialen Ursachen – inzwischen zu einer Entführungsindustrie gewachsen ist, würde es doch Sinn machen, deren Management anzugreifen. Das wäre eine Sache der westlichen Nachrichtendienste, die jedoch seltsam inaktiv bleiben. Man erinnert sich noch, wie eilig die USA nach dem 11. September 2001 daran gingen, Konten von Terrorverdächtigen einzufrieren oder einfrieren zu lassen. Umgehend wurden Schwarze Listen verbreitet, die jedem Partner der USA signalisierten, mit wem er lieber keine geschäftlichen Beziehungen eingehen sollte.

Statt dessen will die US-Regierung einen Vertreter zu einer Somalia-Konferenz entsenden, die am 23. April in Brüssel geplant ist. Und natürlich die Flotte verstärken ...


Anti-Seeräuber-Missionen: Viel Aufwand, wenig Erfolg

»Atalanta«: An diesem ersten Marineeinsatz der EU sind zur Zeit acht Schiffe aus Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien und Spanien beteiligt. Im Mai kommen drei schwedische Patrouillenboote hinzu, die gerade verladen werden. Die Mission läuft bis Ende des Jahres, soll aber verlängert werden.

»SNMG1«: Der NATO-Einsatz begann Ende März im Golf von Aden. Die Einheiten aus Kanada, den Niederlanden, Portugal, Spanien und den USA sollen bis zum 20. April vor Ort bleiben. Die NATO will jedoch dauerhafte Anti-Piraten-Mission installieren.

»Combined Task Force 151«: Die reine US-Aktion begann im Januar 2009. Die Task-Force der fünften US-Flotte besteht aus drei Schiffen und zwei Flugzeugen. Sie hat die Führerschaft aller westlichen Aktivitäten in diesem Seegebiet inne.

Vor allem um im betreffenden Seegebiet gegenüber den westlichen Staaten Präsenz zu zeigen, haben auch China, Indien, Japan und Russland Kriegsschiffe im Einsatz.

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