17.04.2009
Brandenburg

USA-Chor singt Widerstandslieder

Gedenken an die Befreiung der Konzentrationslager Ravensbrück und Sachsenhausen

Ravensbrück (ND). Die luxemburgische Kommunistin Yvonne Useldinger schrieb im KZ Ravensbrück Tagebuch. Kathrin Mess verfasste über dieses Tagebuch eine literaturwissenschaftliche Studie, die jüngst im Metropol-Verlag erschien. In der Einleitung dankte Mess der Luxemburgerin für die liebevolle Aufmerksamkeit, die sie anfangs diesem Projekt entgegengebracht habe. »Ich bedauere sehr, dass sie aufgrund großer gesundheitlicher Probleme meine Arbeit nicht weiter begleiten konnte.« Useldinger verstarb kürzlich. Am Sonnabend um 16.30 Uhr liest Kathrin Mess in der Gedenkstätte Ravensbrück aus dem Tagebuch. Die Lesung gehört zu den Veranstaltungen anlässlich der Befreiung des KZ durch sowjetische Soldaten vor 64 Jahren.

Das zentrale Gedenken findet am Sonntag um 10 Uhr statt. Dann wird die Autorin Cécile Wajsbrot sprechen. Die 1954 in Paris geborene Tochter jüdischer Emigranten aus Polen verarbeitete die vom faschistischen Völkermord an den Juden geprägte Geschichte ihrer Familie literarisch. Es singt der Chor Ars Choralis aus dem US-amerikanischen Woodstock. Bekannt wurde der Chor mit dem Programm »Musik in Desperate Times«, das an das Mädchenorchester von Auschwitz erinnert. Ars Choralis tritt das erste Mal in Deutschland auf – und zwar schon am Sonnabend um 19.30 Uhr mit Friedens- und Widerstandsliedern bei einem Konzert im Besucherzentrum der Mahn- und Gedenkstätte. Vor dem zentralen Gedenken gibt es am Sonntag um 8.30 Uhr einen Gottesdienst in polnischer und deutscher Sprache im ehemaligen Zellenbau und um 9 Uhr ein Gedenken am sowjetischen Ehrenmal.

Bereits heute um 14 Uhr wird am Bahnhof von Fürstenberg/Havel eine Informationsstele übergeben, und um 15 Uhr stellt Matthias Heyl im Besucherzentrum das Besucherleitsystem der Gedenkstätte vor. Um 17.30 Uhr läuft am selben Ort der Film »Was bleibt«.

Am Sonnabend um 14 Uhr erzählt Pfarrer Nikolaj Sklodowski aus Gdansk von den polnischen Häftlingen im Frauenkonzentrationslager. Er selbst kam in Ravensbrück zur Welt. Um 15.30 Uhr liest Maria-Theresia vom Orden der Karmelitinnen aus den Erinnerungen polnischer Häftlinge. Es folgt um 17.30 Uhr die szenische Lesung »Frankfurt am Main – Frauen-KZ Ravensbrück, Lebensspuren verfolgter Frauen«.

Am Sonntag wird um 13 Uhr in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Ravensbrück der Film »Die Gegenwart der Erinnerung« präsentiert. Um 14 Uhr gibt es eine

Gedenkfeier auf dem Gelände des ehemaligen Jugendlagers Uckermark für Mädchen und junge Frauen. Es wird dort ein Gedenkstein enthüllt und Ars Choralis singt ein weiteres Mal. Um 15 Uhr schließt sich ein geführter Rundgang an.

Auch die Gedenkstätte Sachsenhausen und das Internationale Sachsenhausen-Komitee erinnern am Sonntag an die Befreiung durch polnische und sowjetische Truppen. »Dazu werden rund 25 Überlebende aus zahlreichen europäischen Staaten und aus Israel erwartet«, heißt es in der Ankündigung. Das Gedenken beginnt um 14 Uhr mit der Begrüßung durch die Generalsekretärin des Komitees, Sonja Reichert. Der polnische Botschafter Marek Prawda, der tschechische Auschwitz-Überlebende Tomáš Kosta und andere werden ab 15.30 Uhr am Gedenkort »Station Z« sprechen.

Am Montag um 10 Uhr gibt es ein Gedenken am ehemaligen Außenlager Klinkerwerk, wo die SS ab 1938 eine Großziegelei für das Germania-Projekt in Berlin errichten ließ. Das Außenkommando galt unter den Häftlingen als Todeslager. Es spricht der israelische Gesandte Ilan Mor.

Sachsenhausen wurde am 22. und 23. April 1945 befreit. Die sowjetischen und polnischen Soldaten fanden dort nur noch 3500 kranke Häftlinge. Rund 35 000 Häftlinge hatte die SS auf Todesmärsche nach Nordwesten getrieben.

Gedenkstätte Ravensbrück, Straße der Nationen in Fürstenberg/Havel; Gedenkstätte Sachsenhausen, Straße der Nationen 22 in Oranienburg