Das Wohnen in Berlin wird immer teurer. Weil die Nachfrage steigt, der Wohnungsleerstand sinkt und neue Wohnungen kaum gebaut werden, steigen die Mieten. Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), dessen Mitglieder mehr als ein Drittel des Berliner Wohnungsbestandes verwalten, meldete gestern einen Mietanstieg von 3,3 Prozent im vergangenen Jahr. 2007 lag er noch bei zwei Prozent. BBU-Vorstand Ludwig Burkardt sieht die Lage bisher dennoch nicht als dramatisch an. Falls allerdings die Wirtschaftskrise weiter andauere und auf das Einkommen der Mieter durchschlage, könnte es bei steigenden Mieten zu einer »Engpasssituation« kommen, sagte er unter Vermeidung des Wortes Wohnungsnot. »Dann muss sich die Politik etwas einfallen lassen.« In zwei bis drei Jahren werde der Senat auch wieder in den sozialen Wohnungsbau einsteigen müssen, »das ist so sicher wie das Amen in der Kirche«.
Die BBU-Mitgliedsunternehmen, zu denen auch die landeseigenen Wohnungsunternehmen gehören, verlangten im vergangenen Jahr im Schnitt eine Kaltmiete von 4,71 Euro pro Quadratmeter monatlich, womit sie noch um sechs Cent unter dem Durchschnitt des Mietspiegels von 2007 lagen. Im Ostteil der Stadt ist das Wohnen mit 4,77 Euro pro Quadratmeter teurer als im Westteil, wo im Schnitt 4,63 Euro fällig wurden, was Burkardt auf den unterschiedlichen Modernisierungsstand zurückführte. Im Osten seien 77 Prozent der Wohnungen komplett saniert, im Westen 49 Prozent.
Deutlich zurückgegangen ist der Wohnungsleerstand, von 4,6 auf 3,8 Prozent, der niedrigste Wert seit 1997. Ende 2008 standen bei den BBU-Unternehmen noch 25 000 Wohnungen leer, 5400 weniger als ein Jahr zuvor. Der Rückgang war fast flächendeckend. Im Altbezirk Lichtenberg halbierte er sich fast auf 2,6 Prozent, selbst in Marzahn ging er von 7,9 auf 6,9 Prozent zurück. Lediglich in fünf Altbezirken nahm er leicht zu, so in Schöneberg, Zehlendorf, Reinickendorf und Wilmersdorf. Spitzenreiter ist weiterhin Hellersdorf, wo die Leerstandsquote von 8,4 auf 8,8 Prozent stieg. In den Szenebezirken Mitte und Prenzlauer Berg dagegen sind praktisch keine Wohnungen mehr unvermietet.
Ob der Rückgang des Leerstands in den östlichen Plattenbezirken auch eine Auswirkung der Verdränungsprozesse in der Innenstadt ist und Mieter, die sich am Kollwitzplatz keine Wohnung mehr leisten können, nach Lichtenberg oder Marzahn ziehen, war beim BBU nicht zu erfahren. Dazu gebe es keine näheren Untersuchungen. Die Zahlen würden aber belegen, dass es auch in kritischen Bezirken Wohnungsnachfrage gebe.
Burkardt hält den Berliner Wohnungsmarkt aber trotz der sinkenden Leerstandszahlen weiter für »entspannt« und stimmt darin mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung überein. Diese argumentiert dafür mit 100 000 leer stehenden Wohnungen. Rechnet man die BBU-Zahlen jedoch hoch auf den gesamten Berliner Wohnungsbestand, dürften etwa 75 000 Wohnungen leer stehen. Für den Berliner Mieterverein beginnt bei einem Leerstand von drei Prozent eine Mangelsituation, bei der die Politik regulierend eingreifen sollte, der BBU sieht das eher bei unter zwei Prozent. Mit derzeit 3,8 Prozent lägen die BBU-Unternehmen noch immer über dem Bundesdurchschnitt, so Burkardt.
Die Politik in der Pflicht sieht er bei der Begrenzung der Betriebskosten. Diese seien 2007 um sechs und nach ersten Auswertungen 2008 um fünf Prozent und damit schneller als die Miete gestiegen. Ursache seien die Anhebung des Grundsteuerhebesatzes und die steigenden Energiepreise. 2008 werden die BBU-Mieter 2,35 Euro pro Quadratmeter Betriebskosten zahlen, 2007 waren es 2,24 Euro. Burkardt forderte eine wirksame Preisaufsicht und mehr Zurückhaltung der öffentlichen Hand bei Steuern und Tarifen. »Es kann nicht sein, dass die Politik direkt und indirekt die Kosten treibt.«
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