An die 3000 Menschen haben am Wochenende bundesweit gegen die weitere Nutzung der Atomenergie demonstriert. »Der lang versprochene Ausstieg aus der Atomkraft muss endlich umgesetzt werden«, forderte Jochen Stay von der bundesweiten Anti-Atom-Initiative »ausgestrahlt«. Am Sonntag trafen sich allein vor dem Atommeiler von Krümmel im schleswig-holsteinischen Geesthacht 1200 Anti-AKW-Aktivisten aus mehreren Bundesländern. Sie waren einem Aufruf mehrerer Umweltverbände gefolgt.
Seit dem Trafobrand am 28. Juni 2007 steht der als pannenanfällig in Statistiken geführte Siedewasserreaktor still. Und genau diesem Zustand wünschen sich die Atomkraft-Gegner an der Elbe auf Dauer. Eine Wiederinbetriebnahme sei unverantwortlich, lautet die Botschaft der Bürgerinitiative gegen Leukämie in der Elbmarsch, die in der Vorwoche einen neuen Fall von Blutkrebs in ihrer Region publik machte.
Ein Traktor-Konvoi von Landwirten aus dem Gorleben-Widerstandsgebiet und eine Direktschaltung zu gleich Gesinnten in Minsk war einer der Höhepunkte des friedlichen Protests. Renate Backhaus vom BUND Niedersachsen sprach von einer Renaissance der Anti-AKW-Bewegung.
Zeitgleich gab es Mahnwachen vor den Reaktoren in Gundremmingen und Neckarwestheim. Bereits am Samstag haben rund 750 Menschen in Münster gegen Atomanlagen demonstriert.
Der Ort war mit Bedacht gewählt, weil die dortige Bezirksregierung Anträge für Atommülltransporte nach Ahaus zu genehmigen hat. In Münster zeigten sich Chancen einer internationalen Vernetzung von Protest. Es sprachen Aktivisten aus Bulgarien, Frankreich und Russland. Albena Simeonova etwa appellierte an den RWE-Konzern, seine AKW-Bauabsichten im erdbebengefährdeten Gebiet von Belege nicht zu realisieren. Rashid Alimov forderte einen Stopp von Uranmülltransporten aus dem westfälischen Gronau, aus dem niederländischen Almelo und aus Frankreich nach Russland. Von Gronau aus soll die brisante Fracht bereits in wenigen Tagen wieder auf den Weg geschickt werden. Dagegen wird am 3. Mai, zu einem Sonntagsspaziergang vor dem Haupttor der Urananreicherungsanlage in Gronau eingeladen.
Der Krümmel-Betreiber Vattenfall sagte auf Anfrage, die umfangreichen Wartungsarbeiten nach der Entdeckung von defekten Dübeln, Rissen in Armaturen und Steuerleitungen sowie im Zuge der allgemeinen Revision befänden sich auf der Zielgeraden. Man rechne im Sommer mit dem Wiederanfahren und der Stromproduktion. Im die Reaktoraufsicht führenden Sozialministerium in Kiel wollte man sich an keinen Zeitspekulationen beteiligen. Ein Antrag auf Wiederinbetriebnahme des Kernkraftwerkes Krümmel sei bisher noch nicht gestellt worden, so Ministeriumssprecher Christian Kohl.
Demonstriert, protestiert und gemahnt wurde weltweit an rund 180 Orten. Die meisten Aktionen wurden aus Frankreich vermeldet. In Kaliningrad verurteilte die Umweltgruppe Ecodefense die bereits weit fortgeschrittenen Pläne eines AKW-Neubaus.
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