Der Mayday zieht 2008 durch Friedrichshain. ND-
Foto: Burkhard Lange ND-Karte: Wolfgang Wegener
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Sie versuchen sich gegenseitig zu überflügeln. Nicht nur die Zeitungen mit den großen Buchstaben schreiben derzeit einen schlimmen 1. Mai herbei. Die Rede ist von Randale. Fast immer bleibt dabei auf der Strecke, was die tausenden linken Demonstrierenden wollen, wofür sie politisch stehen.
Der Tag beginnt in Köpenick (siehe Karte). Unter dem Motto »Nazis wegputzen« rufen zwei Bündnisse zum Protest gegen ein Straßenfest der NPD auf. Das Bündnis »Gemeinsam gegen Rechts« findet deutliche Worte: »Unser erklärtes Ziel ist es, die Veranstaltung der Nazis zu blockieren und zu verhindern«, sagt Sprecher Jan Landers. Ein »friedliches Straßenfest« sei angesichts der aus dem ganzen Bundesgebiet anreisenden gewaltbereiten Nazis kaum zu erwarten. Hans Erxleben vom lokalen Bündnis für Demokratie und Toleranz kündigt einen »friedlichen, bunten und lauten Protest« an. Auf die Frage, ob man sich an den Blockaden beteiligen werde, sagt Bezirksbürgermeisterin Gabi Schöttler (SPD): »Ich rufe zum Protest auf. Je mehr Leute kommen, desto eher können wir über das Zweite reden.« In verschiedenen Bezirken seien Kundgebungen angemeldet, sollten die Nazis noch einen Aufmarsch anmelden, so Landers.
»Die Diskussion um Gewalt wird nicht von uns geführt«, betont Erxleben, der auch Sprecher für antifaschistische Politik der LINKEN in Köpenick ist. »Wir organisieren die Rahmenbedingungen, der Rest ist Sache der Gesellschaft«, so Landers. Die Rednerliste sei »pure Provokation«, sind sich die beiden einig. Neben NPD-Funktionären wird voraussichtlich der ehemalige SS-Mann Herbert Schweiger sprechen.
Die Organisatoren der diesjährigen Mayday-Parade wissen unterdessen nicht, was ihre genaue Route ist. Das Oberverwaltungsgericht entscheidet heute, ob die Parade, die von linken und linksalternativen Gruppen organisiert wird, durch die Friedrichstraße ziehen darf. Nach Ansicht der Polizei drohen bei der in den letzten vier Jahren friedlich verlaufenen Parade in diesem Jahr Ausschreitungen. »Eines der Ziele der Mayday-Parade ist es, eine neue Demonstrationskultur zu entwickeln. Wenn die sich nicht erheblich von der Revolutionären 1. Mai-Demonstration um 18 Uhr unterscheiden würde, gäbe es nicht zwei verschiedene Veranstaltungen«, sagt Sprecherin Hannah Schuster. Das Motto des diesjährigen Mayday ist: »Ich krieg die Krise… – und das nicht erst seit gestern!« Thema sind Arbeitsverhältnisse und Lebensbedingungen. Die traditionelle »18 Uhr-Demo«, zu der linksradikale und autonome Gruppen aufrufen, steht in diesem Jahr unter dem Motto »Kapitalismus ist Krieg und Krise«. 10 000 Teilnehmer werden erwartet.
In den letzten Jahren kam es nach der Demo immer wieder zu Ausschreitungen, deren Heftigkeit jedoch seit 2002 abnimmt. Da die Serie von Brandanschlägen auf Autos jedoch andauert, wurde viel über einen gewaltsamen Verlauf des 1. Mai gemutmaßt und geschrieben. Polizeipräsident Dieter Glietsch und Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hatten Anfang der Woche davor gewarnt, die Gewalt herbeizureden. Glietsch nannte es »verantwortungslos«, was teilweise geredet und geschrieben wird.
9 Uhr Schöneberg: Treffen am DGB-Haus, Keithstraße 1-3. Ab 10 Uhr Motorrad-, Fahrrad- und Skaterkorso oder zu Fuß zum Brandenburger Tor. Kundgebung ab ca. 11.30 Uhr.
10 Uhr Köpenick: Kundgebung am Forum Köpenick. Die Demo startet, wenn die Nazis über die Borgmannstraße zum Mandrellaplatz geleitet werden. Zugtreffpunkt für Antifas ist um 9.45 Uhr am Ostkreuz.
13.30 Uhr Mitte: Mayday-Parade mit Auftaktkonzert, Unter den Linden Höhe Bebelplatz. Danach durch Mitte und Kreuzberg zum Moritzplatz.
18 Uhr Kreuzberg: Revolutionäre 1. Mai-Demo. Start am Kottbusser Tor mit Konzert. Ab ca. 19 Uhr durch Kreuzberg und Neukölln und zurück.
.....und sie versinkt im tiefer im Sumpf des Kapitals..........
19:30 Uhr, Berlin
Preis: 19,95 €
Preis: 24,90 €