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Von Ingolf Bossenz 05.05.2009 / Nord-Süd

Längst nicht vom Winde verweht

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In Brasilien sind 2008 mehr als 5000 Arbeiter befreit worden, die auf Ländereien wie Sklaven ausgebeutet wurden. Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation schuften in dem Amazonasland Zehntausende Menschen unter sklavenähnlichen Bedingungen. In Berlin berichtete in der vorigen Woche eine Äthiopierin über ihr Los als Sklavin in einem Restaurant – mitten in der deutschen Hauptstadt.

Sklaverei ist keine historische Vergangenheit, die uns nur in Hollywood-Filmen wie »Amistad« oder Südstaaten-Romanen wie »Vom Winde verweht« begegnet. »Niemals in der gesamten Menschheitsgeschichte waren so viele Menschen versklavt wie heute«, erklärt die Historikerin Elisabeth Herrmann-Otto. 27 Millionen Sklaven weltweit sind lediglich die untere Grenze der globalen Elendsstatistik. Sklavenarbeit steckt in vielen Produkten. Sie hält Preise niedrig oder ermöglicht gar erst die Herstellung. De facto in Sklavenarbeit wird beispielsweise Silicium abgebaut – präsent in jedem Handy.

Natürlich sind Sklaven im Unterschied zum Altertum sowie zu den Sklavereisystemen orientalischer und abendländischer Provenienz heute nicht mehr Eigentum ihrer »Herren«. Was bedeutet: Wenn sie sich und ihre Arbeitskraft ruiniert haben, ist der Ausbeuter an weiterer »Wert«-Erhaltung nicht interessiert, da genügend Nachschub bereit steht. »Paradoxerweise ging es den Sklaven in der Antike besser«, so das sarkastische Fazit der Historikerin Herrmann-Otto.

In der Abschlusserklärung der jüngsten UNO-Antirassismuskonferenz wurde zwar die historische Sklaverei als Verbrechen benannt. Doch mit aktueller Sklaverei sich zu befassen fehlte den Teilnehmern der politische Wille. Was nicht verwunderlich ist angesichts globaler Komplizenschaft in dieser Frage.

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