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Gabriela Greess 09.05.2009 /

PLATTENBAU

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Trommeln und immer wieder Trommeln sind es, die diese überraschende Sound-Mixtur aus Peru rhythmisch steuern. Sie erzählen Musik- und Sozialgeschichte des Peru negro, dem schwarzen Erbe des südamerikanischen Andenstaats: So erinnert der cajon an die Sklaven aus Afrika, die aus der Not heraus Schlaginstrumente mit allen möglichen Klangkörpern improvisierten, wie beispielsweise Obstkisten; und hinter der Quijada steckt eine ganz kurioses Erfindung: Sie setzt die Kieferknochen eines Mauleselschädels als Instrument ein.

Mit den Musikern von RadioKijada wirft man Klischees vom ach so gewohnten Folklore-Sound aus den Anden über Bord, der einen seit den 70er Jahren in deutschen Fußgängerzonen mit Panflöten-Musik einlullt. RadioKijada revoltiert gegen glatt gebügelte Hörgewohntheiten, bringt Fusion vom Feinsten, ein Crossover hin zur neuen Spielart von World Music. Ihre Musik mit karibischen Anklängen erinnert an Kuba, wo die schwarze Musik ebenfalls stark verwurzelt ist.

Hinter dem Projekt RadioKijada steckt ein Peruaner, der Percussionist und Komponist Rodolfo Muñoz, der am Konservatorium in Havanna studierte; und der Schweizer Christoph H. Müller als Co-Komponist. Sie katapultieren einen mal mitten ins pulsierende Straßenleben von Lima, um einen dann mit einem »Blauen Zwischenspiel«, dem Instrumentalstück »Interludo Azul«, ans rauschende Meer zu entführen in eine Welt voller Inspirationen, Träume.

Und dann wieder voll die Realität von Peru: Zwischen rhythmisch aufreizenden Gesängen in HipHop-Manier, die mal als seichte Sprechblasen, mal wie politische Pamphlete ins Gehör fetzen, hört man Hahnengeschrei; es folgt eine große Stille, inszeniert von Streichern wie in einem Sinfoniekonzert; und dann erinnern musikalisch lässig eingestreute Kastagnetten mit Flamenco-Anklängen daran, dass Peru als Mitglied der großen lateinamerikanischen Familie einen Teil seiner Wurzeln in Spanien hat.

Der Song »Agua E' Nieve« geht ganz aktuell auf die Monokultur des Zuckerrohrs ein, das damals wie heute in vielen Ländern der Vierten Welt als ein Pseudonym für Sklavenarbeit steht. Als Teufel beschworen wird da Alcohol de caña, der Zuckerrohrschnaps: mit den magischen Worten eines Santero, des schwarzen Priesters, bei dem die Percussion zur Medizin wird. Da versteht man, dass deren Wurzeln im 16. Jahrhundert liegen, als die Spanier die Goldressourcen von Peru mit viel schwarzem Blut ausbeuteten.

Das Projekt RadioKijada scheint diese negativen Energien umzukehren, lädt mit aufreizenden Rhythmen auch zum Tanzen: Der dominante Original-Groove der Trommeln schwingt dabei wie ein zeitloser Urschrei mit - verbunden mit experimentellen elektronischen Rhythmen, was diese CD zu einem außergewöhnlichen Hörerlebnis macht.

RadioKijada: Nuevos Sonidos Afro Peruanos (Wrasse Records/ Harmonia Mundi)

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