Für den Schweizer Architekten Niklaus Kohler ist die bis in den letzten Winkel energieeffiziente Stadt alles andere als ein Wolkenkuckucksheim, sondern ein existenzielles Muss: »Der Klimawandel ist eine reale Bedrohung. Wir müssen handeln«, sagte Kohler vergangene Woche in seiner Rede anlässlich der Eröffnung der Endrunde des Wettbewerbs »Energieeffiziente Stadt« in Hamburg. Der ehemalige Leiter des Instituts für Bauproduktion in Karlsruhe ist Vorsitzender des Lenkungsausschusses des bundesweiten Ausscheids, der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ausgerichtet wird.
Und so läuft der Wettbewerb der Städte: In der ersten Phase, die bereits 2008 begonnen hat, konnten Projektanträge eingereicht werden. Unter den mehr als 70 Bewerbern wählte eine Expertenrunde 15 Städte aus. Die erhalten nun die Möglichkeit, mit bis zu 200 000 Euro aus dem Topf des BMBF ihre Konzepte weiterzuentwickeln. Staatssekretär Frieder Meyer-Krahmer benennt die Auswahlkriterien: »Alle Finalisten fassen die Stadt als Gesamtsystem auf und haben innovative Ideen vorgelegt; ihre Konzepte sind nachhaltig angelegt, lassen sich gut umsetzen und auch auf andere Kommunen übertragen.« Zu den glücklichen Endrunden-Kandidaten gehören Großstädte wie Stuttgart und Düsseldorf, aber auch mittelgroße Städte wie das niedersächsische Oldenburg und Kleinstädte wie Wolfhagen in Nordhessen.
Dass die ganz Kleinen im Konzert der supereffizienten Energiesparer keineswegs die zweite Geige spielen müssen, beweist die sächsische Gemeinde Göda in der Oberlausitz, die gerade einmal 3341 Einwohner zählt. Göda geht mit einem Konzept zur »Entwicklung eines Baukastensystems zur Energieversorgung ländlicher Gebiete« ins Rennen. »Die Stadt hat ein hohes Minderungspotenzial an CO2-Emissionen und verfügt über eigene Energieressourcen«, begründet Frank Arnold, Vertriebschef der Energie Sachsen Ost AG, die Entscheidung der Jury. »Außerdem haben weiche Faktoren, wie die hohe Akzeptanz der Amtsträger in der Bevölkerung, eine Rolle gespielt.«
Auch Hamburg, die größte Metropole in Deutschlands Norden, ist mit einem Vorschlag dabei: Eine »konsequente energetische Gebäudesanierung soll eine Reduzierung der Nachfrage nach Raumwärme zur Folge haben und langfristig einen Rückbau des Fernwärmenetzes ermöglichen«, erläutert Projektleiter Sven Bode. Für eine effektive Planung sei ein räumlich und zeitlich optimaler Entwicklungspfad nötig, der durch intensive Erhebung lokaler Daten in ausgewählten Quartieren der Stadt erfolgen soll.
»Kommunale Verwaltungen haben eine Vorreiterfunktion bei der Organisation von Energieeffizienz. Endlich bekommen sie Gelegenheit, ihre ureigene Rolle wahrzunehmen«, würdigte Hamburgs Senatorin für Stadtentwicklung und Umwelt, Anja Hajduk, die Initiative nach dem Startschuss zum Finale. Das endet 2010 mit der Kür von drei bis fünf Siegern – ihre endgültige Zahl will die Jury von der Qualität der Ergebnisse abhängig machen. Die Auserwählten erhalten eine Million Euro, um die Umsetzung ihres Konzepts in den kommenden fünf Jahren auf den Weg zu bringen.
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