»Die Verteidigung Deutschlands am Hindukusch« ist der aktuelle Streich aus dem Compagnie-Kosmos.
Foto: W. Jahn
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Dreimal war sie schon nominiert, jetzt hat es endlich geklappt. Für ihr unermüdliches Engagement im Namen von Frieden und Gerechtigkeit erhält die Theatergruppe Berliner Compagnie im September den Aachener Friedenspreis 2009. »Eine große Ehre«, bedankt sich die künstlerische Leiterin Helma Fries. Und das 15-köpfige Ensemble hat sich die Auszeichnung auch wahrlich verdient. Seit 28 Jahren tourt die Truppe kreuz und quer durch die deutschsprachige Bühnenlandschaft und spielt an gegen Geldgier, Machtstreben und Ignoranz.
Als Helma Fries zusammen mit ihrem Schauspielerkollegen Jan-Theo Jost 1981 die Berliner Compagnie gründete, hieß sie noch Gerhard und war am Staatstheater Kassel beschäftigt, Jost am Staatstheater Wiesbaden. Die Idee, zusammen ein linkspolitisches Tourneetheater zu gründen, entstand aus der Angst vor einem Atomkrieg – einer Angst, die damals ganz Westeuropa in Atem hielt. Nach dem NATO-Doppelbeschluss 1981, der die Stationierung atomar bestückter US-Mittelstreckenraketen auch in Deutschland vorsah, gingen Millionen Menschen auf die Straße, die Friedensbewegung erhielt mächtigen Aufwind. Links zu sein, ohne bei Menschenketten, Protestmärschen, Anti-AKW-Sitzblockaden und »Fasten für den Frieden« mitzumachen, war im Westdeutschland der 80er Jahre undenkbar. Ohne diesen Hintergrund hätte es die Berliner Compagnie vermutlich nie gegeben: »Wir fühlten uns damals wie ein Fisch im Wasser«, erinnert sich Helma Fries, die ihr Theater von Anfang an als Teil der Friedensbewegung sah.
Auch wenn das Thema Frieden seit dem Ende des Kalten Krieges weitgehend aus den Medien verschwunden ist und sich viele Initiativen aufgelöst haben, sind es nach wie vor Menschenrechts-, Friedens- und Dritte-Welt-Organisationen sowie Kirchen und Gewerkschaften, die das kleine Ensemble mit den großen Themen zu Auftritten einlädt.
Zwar spielt die Truppe auch in ihrem winzigen Kreuzberger Hinterhoftheater mit den 40 Sitzen, meist aber werden die brisanten und intelligenten Inszenierungen auf Tourneen gezeigt. Alle Stücke stammen übrigens aus der Feder von Helma Fries. 23 hat sie bisher geschrieben und damit auch eine Chronik der großen Konflikte dieser Welt angelegt: Ausbeutung der Dritten Welt durch Billiglöhne und teure Kredite, Abschaffung der sozialen Marktwirtschaft durch Privatisierung und Neoliberalismus, Kriegstreiberei aus Kontrollwahn und Geldgier. Das zuletzt herausgebrachte Stück, erst einige Monate alt, nimmt den Afghanistan-Krieg und Deutschlands Beteiligung daran aufs Korn.
Bei aller Gesellschaftskritik verfallen die Kreuzberger Theaterleute aber nie in dröges Gejammer, sondern setzen ihre Themen mal als Gangster-Ballade, mal als schwarze Komödie oder als »Bollywood«-Drama um. »Politisches Theater muss Volkstheater sein, muss die Menschen überraschen und provozieren«, meint Helma Fries. Das scheint ihr und ihrem Ensemble immer wieder zu gelingen.
»Die Verteidigung Deutschlands am Hindukusch« wieder am 19.5., 20 Uhr, im Bali-Kino Zehlendorf; weitere Termine und Infos unter www.berliner-compagnie.de
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