Im Arbeitskampf beim Wiesbadener Automobilzulieferer Federal Mogul haben Vertreter von Geschäftsleitung, Betriebsrat und IG Metall eine Einigung erzielt. »Wir können mit dem Ergebnis leben«, erklärte der Betriebsratsvorsitzende Alfred Matejka. Das Management habe zum großen Teil den Forderungen der Streikenden nachgegeben und verfolge nun nicht mehr das Ziel, 436 Beschäftigte noch im Monat Mai zu entlassen. Stattdessen würden in das Jahr 2010 hinein die gesetzlichen Regelungen zur Kurzarbeit stärker ausgeschöpft. Zudem habe die Geschäftsleitung einem Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis Mitte 2010 zugestimmt, erklärte Matejka.
Im Gegenzug akzeptierten die Gewerkschafter und Betriebsräte einen weiteren Abbau der Belegschaft. So sollen in diesem Rahmen 120 von derzeit über 1600 Beschäftigten aus dem Werk ausscheiden. Um den Betroffenen den Gang zur Arbeitsagentur zu ersparen, sollen ihnen zunächst die Übernahme durch eine »Transfergesellschaft«, ein aufgestocktes Kurzarbeitergeld und die Möglichkeit zur beruflichen Weiterbildung angeboten werden. Zudem sollen im Rahmen des Aussteiger-Modells »50 plus« weitere 80 Betriebsangehörigen über 50 Jahre gefunden werden, die auf freiwilliger Basis aus dem Betrieb ausscheiden und so über mehrere Jahre vor dem Absturz in Hartz IV abgesichert werden können. Streikleiter und IG Metall-Sekretär Michael Ehrhardt kritisierte, dass die nach Arbeitskämpfen übliche Maßregelungsklausel von der Geschäftsleitung immer noch nicht vorgelegt worden sei, und kündigte ein Wiederaufflammen des Streiks an, falls Hardliner auf der Arbeitgeberseite hier noch einmal die Gesamtvereinbarung sabotieren wollten.
Da der Wiesbadener Betrieb hochwertige Gleitlager und Buchsen für Pkw-Motoren produziert, drohte dem Vernehmen nach im Opel-Motorenwerk in Kaiserslautern wie auch in anderen Standorten deutscher Auto-Konzerne ein totaler Stillstand aufgrund mangelnden Nachschubs. Dies hat offensichtlich den Druck zur raschen Beilegung des Konflikts verstärkt. Noch am Dienstagabend hätten Einkaufsleiter der Autoindustrie das Federal Mogul-Management »bis zum Schluss mit Anrufen bombardiert« und zum Einlenken aufgefordert, berichtete Matejka.
Das erst letzte Woche gegründete regionale Solidaritätskomitee aus Betriebsräten verschiedener Branchen zur Verteidigung aller Arbeitsplätze wird auch nach Beendigung des Streiks seine Arbeit fortsetzen. Wie der Initiator des Komitees Jörg Jungmann am Mittwoch auf ND-Anfrage bestätigte, gehe es jetzt um die Verhinderung drohender Massenentlassungen in Zeitungsdruckereien in Darmstadt und Mainz. Zwei dort ansässige Zeitungsverlage wollen dem Vernehmen nach bis 2010 in der Opelstadt Rüsselsheim ein modernes Druckzentrum errichten und dafür eine komplett neue Belegschaft einsetzen, um den neuen Betrieb möglichst zur »gewerkschaftsfreien Zone« zu machen, so Jungmann.
Aktuelle Ausgabe: 23.05.2012
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