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Gnadenlos richtet der Autor Lukas Stoermer unseren Blick auf den mit Abstand häufigsten chirurgischen Eingriff bei Jungen: die Entfernung der Penisvorhaut.
»Der Schnitt« ist der erste deutsche Sachroman, der das Tabu der gedankenlosen, medizinisch oft unnötigen Beschneidung von Jungen thematisiert und mögliche körperliche und seelische Folgen aufzeigt. Damit tritt das Problem aus dem Schatten, in dem es angesichts weltweiter Kritik an weiblicher Genitalverstümmelung bislang steht. Der Autor fordert einen sensibleren Umgang mit dem Grundrecht von Jungen auf körperliche Unversehrtheit und mahnt eine umfassende, zeitgemäße Aufklärung an, sowohl durch Mediziner als auch im Rahmen des Sexualkundeunterrichts. Sein Buch zeigt Momentaufnahmen aus dem Leben des 13-jährigen Manuel, der wegen einer Phimose (Vorhautverengung) beschnitten wird und nach der OP anders ist, nicht nur an jenem Körperteil, der ihn als Junge auszeichnet. Der Roman erzählt von Angst, Schock und Trauma, von Schmerzen, abgrundtiefer Scham und vom stillen Leid eines ursprünglich gesunden Jungen. Manuel wird zum Gespött seiner Mitschüler, zum Außenseiter und zum erotischen Unikum. Sein einziger Freund teilt das gleiche Schicksal. Die Jungen schweigen, weil ihnen die erst durch die Operation verursachten Probleme extrem peinlich sind.
Die Beschneidung der Vorhaut, ist eine antiquierte, keineswegs risikofreie Routineoperation, die täglich praktiziert wird, obwohl es längst bessere, weit weniger belastende Alternativen gibt, wie z. B. Salben und die Vorhaut erhaltende OP-Verfahren. »Der Schnitt« – ein Buch über das, was Ärzte gerne verschweigen.
Lukas Stuermer: Der Schnitt, elbaol Verlag, 190 S., 14,95 €.
Aktuelle Ausgabe: 23.05.2012
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