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Hendrik Lasch 04.06.2009 / Inland
Personalie

Ein Freigeist

Gerhard Besier / Der Historiker strebt für die LINKE in Sachsens Landtag

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Gerhard Besier hat eine »Vorliebe für Schmuddelkinder«. So begründete er unlängst, warum er an einem Thesenpapier zur DDR-Geschichte für die sächsische LINKE mitschrieb. Jetzt ist er quasi selbst eines: Bereits seit April sei er Genosse, jetzt strebt er für die Partei in den Landtag. Deren Spitzenkandidat André Hahn berief ihn in sein »Kompetenzteam«.

Die Personalie ist zweifellos ein Coup. Nach Sachsen war der 61 Jahre alte Theologe und Kirchenhistoriker, der zuvor in Heidelberg gelehrt hatte, vor sechs Jahren gekommen, um das Hannah-Arendt-Institut zu leiten – eine staatsnahe Einrichtung, die unter dem strittigen Ansatz einer Totalitarismustheorie die »politischen und gesellschaftlichen Strukturen von NS-Diktatur und DDR-Regime« analysieren soll und von der PDS stets mit Argwohn betrachtet wurde.

Nach fünf Jahren war Besier, der unter anderem zur Rolle der Kirche in der DDR publiziert hat, den Posten indes wieder los; sein Vertrag wurde nicht verlängert. Anlass bot ein offener Brief von Mitarbeitern, die ihm unter anderem eine Rede zur Eröffnung des Scientology-Büros in Brüssel 2003 zur Last legten, die er als Plädoyer für Religionsfreiheit verstand. Daneben spielte die Neuausrichtung des Instituts eine Rolle, dessen Blick er nach Ostmitteleuropa lenkte. Besier vermutet, er habe nicht »das konservative Profil« bewiesen, um das Institut im Sinne der CDU zu führen. Ein Fachkollege attestierte ihm, er habe sich »politischer Indienstnahme« verweigert.

In die Pflicht nehmen lässt sich Besier, der seither Europastudien an der TU Dresden lehrt und beste Kontakte vor allem nach Polen hat, nun von der, wie er es formuliert, »geläuterten LINKEN«. Diese habe sich wie keine andere Partei als »lern- und diskursfähig« erwiesen, sagt der Wissenschaftler, der dies zuletzt in der äußerst kontroversen Debatte um die von ihm mitverfassten DDR-Thesen erlebte.

Den Freigeist Besier, den Landeschefin Cornelia Ernst ein »intellektuelles Schwergewicht« nennt, scheinen derlei Debatten zu reizen – gerade mit den vermeintlichen »Schmuddelkindern«. Deren Ausgrenzung, appelliert Besier, solle beendet werden; »Angst vor möglicher gesellschaftlicher Abstrafung« sei unangebracht. Ob die erfolgt, wird er ab Herbst im Landtag erleben.

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