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Auch vor der Humboldt-Universität Berlin wurde am Montag protestiert.
Foto: ND/Burkhard Lange
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Berlin (ND-Lambeck/Agenturen). Im ganzen Land macht sich der Unmut der Studenten und Schüler Luft. So besetzten Studenten am Montag in Heidelberg, Berlin, Hamburg und Bochum zahlreiche Hörsäle und Seminargebäude ihrer Universitäten. Allein in Potsdam nahmen nach Schätzungen der Veranstalter an den drei Hochschulen mehr als 1000 Studenten an alternativen Bildungsangeboten im Freien teil. In Workshops wurden Fragen zu Demokratie oder zum Streikrecht diskutiert, sagte ein Sprecher. Studenten lasen aus Werken von Karl Marx. Viele Dozenten hätten ihre Seminare vor die Uni verlegt oder aktuellen Themen angepasst.
Im Rahmen des bis Freitag dauernden »Bildungsstreiks« sollen die Aktionen auf 70 Städte ausgeweitet werden. Den Höhepunkt der Proteste erwarten die Organisatoren am Mittwoch. Bei Demonstrationen in Dutzenden Städten sollen mindestens 150 000 Studenten und Schüler ihrem Ärger über schlechte Unterrichts- und Studienbedingungen Ausdruck verleihen. Am Donnerstag sind unter dem Motto »Geld für Bildung statt für Banken« symbolische Banküberfälle geplant. Auf dem Programm der von 240 Organisationen und Gruppen unterstützten Aktionswoche stehen auch Protestcamps mit alternativen Lehrveranstaltungen, Vorträgen und Diskussionen.
Zentrale Forderung der Aktionswoche ist mehr Geld für Bildung. Diese kritisierte zum Auftakt der Protestwoche auch die im Zuge der Bologna-Reform eingeführten Bachelor- und Master-Studiengänge als »Schmalspurstudium« und lehnte Studiengebühren ab.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die den »Bildungsstreik« unterstützt, forderte eine »Kehrtwende in der Bildungspolitik«. »Während über Nacht hunderte Milliarden Euro für die Rettung der Banken und der Automobilindustrie bereitgestellt werden, tun sich Bund und Länder schwer, wenn es um dringend erforderliche Zukunftsinvestitionen in die Bildung geht«, erklärte der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne. Auch die bildungspolitische Sprecherin der LINKEN im Bundestag, Nele Hirsch, bezeichnete die Proteste als »längst überfällig«. Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Margret Wintermantel, äußerte grundsätzlich Verständnis für die Demonstrierenden. Die Hochschulen seien »dramatisch unterfinanziert«. Einige Forderungen jedoch, wie etwa die Rücknahme des Bologna-Prozesses, sehe sie kritisch. Auch halte sie Studiengebühren unter bestimmten Voraussetzungen für sinnvoll.
Unverhohlene Kritik kam hingegen vom bildungspolitischen Sprecher der Unionsfraktion, Stefan Müller (CSU). Er kritisierte die Aktionen scharf. Mit Musikfestivals, Partys und vorgetäuschten Banküberfällen wollten linke Gruppen und Gewerkschaften Studierende und Schüler zu »Bildungsstreiks« anlocken und sie damit von ihrer Ausbildung abhalten. Im Sommer seien Parks tausendmal attraktiver als Schulen. Darum setze man sich lieber in den Park.
Aktuelle Ausgabe: 23.05.2012
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