Die Kommentare waren kreativ und eindeutig.
Foto: ND/Burkhard Lange
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Der Schulleiter ist nicht einverstanden, dass Jana Luck heute hier ist. Die 17-jährige Schülerin des Heinz-Berggrün-Gymnasiums ist trotzdem zum Roten Rathaus gekommen, um gegen die schlechten Bedingungen im Bildungssystem zu demonstrieren. In der Sonne vor dem Rathaus herrscht am Mittwoch Andrang. Rund zwölftausend Menschen nehmen laut Polizei an der Demonstration teil – Studenten, Schüler, Lehrer und Universitätsmitarbeiter. Aus Lautsprechern wummern kämpferische Bässe, die Rednerin ist kaum zu verstehen. Dabei sind auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di sowie linke Bündnisse. So verschieden die Teilnehmer, so einhellig ist die Meinung: Es fehlt an Personal und Geld. Viele der Demonstranten können davon ein Liedchen singen.
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In Jana Lucks Schule treffen überforderte Lehrer auf überfüllte Klassen, wie sie erzählt. Stundenausfälle sind die Regel. Dass es an Geld fehlt, sieht man schon am Zustand der Gebäude: »Alles ist ranzig, der Putz bröckelt schon«, sagt Janas Mitschülerin Anne Gerloff. Jonas Torka vom Lessinggymnasium geht es um mehr als Personal und Ausstattung: »In der Schule wird uns nur Konkurrenzdenken vermittelt, aufs Soziale werden wir nicht vorbereitet. Wir lernen, wie man Gleichungen für die Wirtschaft löst und nicht, wie man Konflikte bewältigt.«
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»Privilegien für alle« hat Jonas auf sein Transparent geschrieben. Die Schüler fordern gerechtere Bildungschancen durch die Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems – zugunsten einer Gemeinschaftsschule. Viele Studenten sind gekommen, um gegen die Bedingungen der neuen Bachelor- und Master-Studiengänge zu protestieren. Matthias Meier ist mit seiner Frau Jenny und dem sechs Monate alten Säugling da: »Als unser erstes Kind zur Welt kam, machte Jenny Diplom, das ging noch gut. Jetzt mache ich meinen Bachelor und kann kaum noch Pensum und Familie unter einen Hut bringen.«
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Auch Sabina Apichella geht es um die verschärften Studienbedingungen: »Die Bachelor- und Masterstudiengänge müsste man sofort wieder abschaffen«, findet die 22-Jährige. Ob man mit dem Bachelor eine ausreichende Qualifizierung erwerbe, sei umstritten, nur ein Teil der Studenten werde zu den aufbauenden Master-Studiengängen zugelassen. Dadurch habe sich unter den Studenten ein »krasses Konkurrenzdenken« entwickelt. Und »in Fächern, die sich auf dem Arbeitsmarkt nicht automatisch verwerten lassen, wird gekürzt«, berichtet sie.
Das betrifft auch die bunt gekleideten »Bildungsnomaden auf der Suche nach Mitteln für die Mongolistik« von den Asien- und Afrikawissenschaften der Freien Universität. »Wir haben nur noch eine halbe Dozentenstelle. Dabei sind wir Deutschlands einziges Institut, das moderne Mongolistik lehrt.«
Wiebke Müller läuft hinter dem Transparent der GEW mit. Als neu eingestellte Lehrerin wurde ihr deutlich mehr Geld versprochen, damit sie nicht in ein anderes Bundesland abwandert. Doch die versprochenen Lohnerhöhungen kamen ihr zufolge nicht oder nur verspätet – und sie änderten nichts an den Zuständen: »Das Personal ist weiter chronisch unterbesetzt und überfordert.« Studenten kündigten an, heute symbolisch Bankfilialen zu »überfallen«.
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