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Gemeinsam mit dem Busfahrer

Jutta Ditfurth hat eine pessimistische Streitschrift verfasst

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»Schade, dass es keine Revolution mehr gibt.« Mit diesem Satz eines Busfahrers, dem durch die Wirtschaftskrise der Verlust seines Reihenhauses droht, beginnt das neue Buch von Jutta Ditfurth (Foto: dpa). Doch für die linke Publizistin, die 2007 mit ihrer Biographie über Ulrike Meinhof Furore machte, ist die Revolution keine schöne Idee aus der Vergangenheit. »Unser Ziel ist eine Gesellschaft, die auf Solidarität aufbaut und auf soziale Gleichheit, in der es keine Ausbeutung und keine Herrschaft von Menschen über Menschen mehr gibt. Das ist ein tollkühner Plan. Die Mittel, durch die wir dieses Ziel erreichen könnten, werden manche eine soziale Revolution nennen. Einverstanden.«

Es ist gerade der Charme von »Zeit des Zorns«, dass Ditfurth an den Zielen festhält, die Ende der 70er Jahre viele teilten, die mit ihr die Grünen gründeten. Ditfurth verließ diese Partei, deren Bundesvorsitzende sie von 1984 bis 1988 war, schon 1991. In den vergangenen Jahren ging sie radikal mit ihren ehemaligen Parteifreunden ins Gericht. In der aktuellen Streitschrift spielen die Grünen keine große Rolle mehr. Nur gelegentlich werden sie zum Vergleich mit der PDS bzw. Linkspartei herangezogen, die dabei nicht gut wegkommt. »Die PDS zum Beispiel, die Anfang der 90er noch vorgegeben hatte, eine linke, explizit antikapitalistische Partei sein zu wollen, war längst zu einer Möchte-gern-mitregieren-Partei geworden, hatte sich – schneller als die Grünen – angepasst.«

Ein ganzes Kapitel widmet Ditfurth der neuen Linkspartei, die sie für eine »Sackgasse« hält. Dabei kritisiert sie weniger, dass die Partei ihre SED-Vergangenheit nicht genügend aufgearbeitet habe. Im Gegenteil moniert sie, dass viele ehemalige SED-Mitglieder, um verlorene Macht und Reputation zurückzugewinnen, den Rücken beugten und in allerlei Talkshows Buße tun.

Doch viel schärfer ins Gericht geht Ditfurth mit den Sozialdemokraten, die mit der PDS zur Linkspartei fusionierten. Dabei zitiert sie aus einer Rede, die sie im September 1990 auf der Wahlprogrammversammlung der Linken Liste/PDS gehalten hatte, zu der sie als linke Grüne eingeladen war. Darin warnte sie vor Illusionen und Wunschträumen, die in Äußerungen von PDS-Vertretern über die SPD zu finden seien. In ihrem Beitrag nannte sie den damaligen SPD-Vorsitzenden Lafontaine einen »prototypischen Sozialdemokraten«. Dass Lafontaine seit 2007 Chef der LINKEN ist, ist für Ditfurth kein Indiz, dass dieser sich nach links, sondern dass die Partei sich nach rechts entwickelt hat. Süffisant merkt sie an: »Die Zuhörer müssen mich falsch verstanden haben.« Heute ist für sie entschieden, dass die LINKE den Weg der Grünen gehen wird. Ditfurth setzt dagegen auf eine staatsunabhängige außerparlamentarische Bewegung, die Hartz-IV-Empfänger, Migranten, Künstler und Facharbeiter zusammenbringt. Auch der Busfahrer soll darin Platz haben.

Jutta Ditfurth: Zeit des Zorns. Streitschrift für eine gerechte Gesellschaft, Droemer Verlag, 267 S., 16,95 €.

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