Sprungmarken: Inhalt, Navigation.
Suchen auf neues-deutschland.de:

Erweiterte Suche

Von Andreas Keller 19.06.2009 / Bildung

Endstation Bologna?

1
Karikatur: Christiane Pfohlman

1999 ahnten die Bürger Bolognas wohl nicht, dass ihr Name fortan – noch vor der berühmten Pastasoße – für eines der umstrittensten Projekte der neuzeitlichen Bildungsgeschichte stehen sollte: die Schaffung eines »Europäischen Hochschulraums«. Zehn Jahre später stellt sich die Frage: Ist der Bologna-Prozess ein Prestige-Gewinn oder eher ein Image-Schaden für die oberitalienische Universitätsstadt?

In der Auseinandersetzung um den Bologna-Prozess in Deutschland stehen sich zwei politische Lager unversöhnlich gegenüber. Die eine Fraktion besteht aus großen Teilen der Kultusministerien der Länder und der Präsidialverwaltungen der Hochschulen. Sie versucht, die bestehenden Probleme zu kaschieren und möchte die Studienstrukturreform auf Biegen und Brechen durchsetzen. Der anderen Fraktion gehören der Hochschulverband, die konservative Standesvertretung der Universitätsprofessoren und der erzreaktionäre Bund Freiheit der Wissenschaft an. Sie möchten das Rad der Geschichte weit zurückdrehen. Nicht nur vor 1999, sondern am liebsten vor 1968 zurück, in die Zeit der guten alten Ordinarienuniversität. Damals konnten die Professoren noch ans Katheder treten, ohne sich darum zu sorgen, was von dem Vorgelesenen bei den »Hörern« ankam. Die Söhne (und wenigen Töchter) aus bürgerlichen Häusern blieben weitgehend unter sich.

Dem Bologna-Prozess ist zugute halten, dass er das Studium in den Mittelpunkt der hochschulpolitischen Debatte gerückt hat. Auf der anderen Seite wurden vieler seiner Ziele – Förderung der Mobilität, bessere Qualität der Lehre, mehr Chancengleichheit – noch nicht erreicht. Weder ein »Weiter so« noch der »sofortige Ausstieg« ist eine Lösung, sondern ein radikaler Kurswechsel im Bologna-Prozess, der Durchlässigkeit gewährleistet, die soziale Dimension stärkt und die Arbeits- und Studienbedingungen von Lernenden und Lehrenden verbessert.

Der Autor ist Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Kommentare zu diesem Artikel

Kommentar schreiben (Login erforderlich)
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Ihre Meinung zu diesem Artikel

Berliner Stadtentwicklung?!

Berlin befindet sich im Wandel. Die damit einhergehenden Veränderungen sehen die einen als unvermeidliche und positive Stadtentwicklung. Andere verstehen diesen Prozess als Bedrohung. Investoren, die vom Berliner Charme profitieren möchten, werten ganze Viertel auf: Die Mieten steigen, Clubs werden rausgeklagt und am Ende steht eine ausgetauschte Mieterschaft.

Alle Dossiers

Facebook
Twitter
Vernetzung

»nd in der Schule«

Medienkompetenz und politische Bildung
Kristina Schröder Bildungsabo

Um Mithilfe wird gebeten

Bundesministerin Kristina Schröder warnt vor dem linksextremen »nd«. Lesen Sie selbst!
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Werbung:

Werbung:

Sprungmarken: Seitenanfang.