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Von Wolfgang Ewert 22.06.2009 / Umwelt

Viel Wind um den Naturschutz

Symposium zeigt Berührungspunkte zwischen Arten- und Klimaschutz

Verfechter der Windenergie und Naturschützer waren sich in der Vergangenheit nicht immer grün. In jüngster Zeit hat sich dies geändert. Nun geht es um die Frage, wie sich Windkraftnutzung mit Naturschutzbelangen am besten vereinbaren lässt. Auf einem Symposium zum Thema »Windenergie im Spannungsfeld zwischen Klima- und Naturschutz« vergangene Woche in Potsdam wurden Möglichkeiten dazu ausgelotet.

Das Interesse war riesengroß, die vom Bundesverband Windenergie (BWE) und dem Brandenburger Landesverband des Naturschutzbund Deutschland (NABU) veranstaltete Veranstaltung schon Tage zuvor ausgebucht. Den Hintergrund bilden die Klimaschutz- und Energiestrategie 2020 des Landes Brandenburg und die sich daraus ergebenen Konfliktpotenziale für den Natur- und Artenschutz. Mit einer Verdoppelung der Anlagenleistung auf etwa 7500 Megawatt in den kommenden zehn Jahren soll dabei die Sparte Windenergie weiter ausgebaut werden, so der brandenburgische Umweltminister und Schirmherr der Veranstaltung, Dietmar Woidke. Das erfordert die Ausweisung zusätzlicher Windeignungsgebiete in Größenordnungen. Am Freitag antwortete Woidke im Landtag auf eine parlamentarische Anfrage, nach seinen Vorstellungen sollten 1,9 Prozent der Landesfläche für Windräder genutzt werden. Bislang sind es 1,3 Prozent.

Obwohl grundsätzlich Befürworter regenerativer Energien, beobachten Naturschutzverbände die Entwicklung kritisch, ist doch damit eine Überarbeitung des Naturschutzes verbunden, was laut Woidke aber unter Beachtung des Artenschutzes erfolgen soll.

In Vorträgen und Diskussionen dominierte daher das Problem der tierökologischen Abstandskriterien. Vorgestellt wurden unter anderem aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zu den besonders gefährdeten Greifvögeln und Fledermäusen, mit nachdenkenswerten, aber kaum neuen Erkenntnissen. Während Experten für den Schutz der Fledermäuse begrenzte Abschaltzeiten empfehlen, zeigen beispielsweise Untersuchungen von Wolfgang Scheller in der Uckermark, dass eine für Greifvögel unattraktive Bewirtschaftung in der Nähe von Windenergieanlagen und attraktive Nahrungsflächen an anlagenfernen Standorten das Kollisionsrisiko erheblich verringern, was besonders für die Erhaltung der stark bedrohten Schreiadlerpopulationen bedeutsam ist. Feststellungen, die Hermann Hötker vom Michael-Otto-Institut Bergenhusen durch aktuelle Telemetriestudien mit Rotmilanen und Wiesenweihen bestätigt. Durch solche Maßnahmen würden sich auch Möglichkeiten zur flexibleren Handhabung der starren Abstandskriterien eröffnen, eine oft geäußerte Forderung der Anlagenplaner, der der NABU Brandenburg aufgeschlossen gegenüber steht. So kann sich dessen Landesvorsitzender Tom Kirschey bei einigen Arten durchaus einen gemeinsamen Vorstoß mit dem BWE zur Anpassung von Kriterien entsprechend dem aktuellen Wissenschaftsstand vorstellen, wie er auch viele gemeinsame Positionen erkennt und ausdrücklich feststellt, »es gibt kein Spannungsfeld zwischen Klima- und Naturschutz«.

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