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23.06.2009

»Judentum heißt plötzlich: Immer Recht haben«

Rolf Verleger über seinen Rauswurf aus dem Zentralrat der Juden, vernichtete jüdische Kultur und Obamas Nahost-Politik

Der 57-jährige Psychologe und Autor (»Israels Irrweg«) war bis 17. Juni Delegierter des Landesverbands Jüdische Gemeinschaft Schleswig-Holstein im Direktorium des Zentralrats der Juden in Deutschland. Mit Rolf Verleger sprach für ND Susann Witt-Stahl.
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ND: Die Jüdische Gemeinschaft Schleswig-Holstein hat Ihnen das Mandat im Zentralrat der Juden entzogen. Warum?
Verleger: An der Basis besteht schon lange mehrheitlich Unverständnis über meine Beurteilung der Politik Israels. Die Leute sehen nicht das große Unrecht, das Israel den Palästinensern seit mehr als 60 Jahren antut. Außerdem hat die Spitze des Zentralrats unserem Landesverband zu verstehen gegeben, dass es Vorteile bringen könnte, wenn ich nicht mehr Delegierter wäre.

Was führte letztlich zu Ihrem Rauswurf?
Das war mein Vortrag Ende Mai beim Jahrestreffen der Muslimischen Jugend Deutschlands, wo ich in meiner Funktion als Direktoriumsmitglied angekündigt war. Dass daran im Zentralrat überhaupt Anstoß genommen wurde, ist bezeichnend für die herrschende Wagenburgmentalität.

Die Zentralratsspitze tendiert leider durch ihre Unterstützung der israelischen Besatzungspolitik dazu, die jüdische Gemeinschaft gegenüber anderen Minderheiten abzuschotten – anders als unter Ignatz Bubis. Dadurch verliert sie an wichtigem gesellschaftlichen Rückhalt.

Können Sie ein paar Worte zur Vorgeschichte sagen?
Unter den genannten Bedingungen war es hochanständig vom Vorstand des Landesverbands, mir so lange dieses Mandat zu lassen. Diese Solidarität war die Folge unseres gemeinsamen Eintretens seit 1995 für eigene Gemeinden und einen eigenen Landesverband. Außenstehende können sich nicht vorstellen, wie viele Hindernisse wir dabei innerhalb der jüdischen Gemeinschaft überwinden mussten.

Standen Sie mit Ihrer Kritik an der Kriegs- und Besatzungspolitik Israels und mit Ihrem Enga- gement für einen gerechten Frieden im Nahen Osten innerhalb des Zentralrats der Juden völlig allein da?
Nein. Ich traue mich nur, diese Dinge auszusprechen.

Stephan J. Kramer, Generalsekretär des Zentralrats, übte kürzlich scharfe Kritik an Barack Obamas Nahost-Politik. Er befürchtet, der US-Präsident könnte Israels Premier Netanjahu »wegen der Siedlungspolitik weiter einseitig in die Enge treiben«. Wie erklären Sie sich den Hardliner-Kurs des Zentralrats?
Letztlich ist das die Folge des Auslöschens jüdischer Kultur durch die Nazis. Keiner meiner Großeltern war Zionist: Die väterlicherseits waren dafür zu religiös – die mütterlicherseits viel zu preußisch. Das Jahr 1945 überlebt hat keiner von ihnen. Dieses schwarze Loch wird nun durch »neue Leute« aufgefüllt, und die stellen sich halt unter Judentum etwas anderes vor als meine Großeltern.

Und zwar?
Für meine Vorfahren väterlicherseits aus der polnisch-chassidischen Tradition war Judentum gleichbedeutend mit dem Auftrag, Gottes Gebote zu erfüllen und dadurch ethische Standards zu setzen. Meine deutschjüdischen Vorfahren mütterlicherseits waren geprägt durch die humanistische Tradition von Moses Mendelssohn: Lessings Nathan der Weise – das war der Inbegriff dieser Tradition. All das wurde von den Nazis ausgelöscht. Der Tatbestand der Auslöschung ist alles, was einige »neue Leute« heute vom Judentum sehen: Juden sind die ewigen Opfer. Und wer sich auf die Seite des jüdischen Staates stellt, steht auf der Seite von Opfern, die per definitionem niemals Unrecht tun können. Judentum heißt plötzlich: Immer Recht haben – egal was man macht. Das ist das Gegenteil der jüdischen Tradition, wie ich sie kenne.

Wie beurteilen Sie Obamas Vorstoß?
Großartig. Hoffentlich kann er sich durchsetzen und den Worten auch Taten folgen lassen. Die deutsche Politik sollte ihn offensiv unterstützen.

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