Die Admiralbrücke – tagsüber Wegstrecke fürs Flanieren, nachts ein Ort des Feierns.
Foto: ND/Burkhard Lange
|
»Brrrt, brrrt, Papadam!«, schallt es grell über die Admiralbrücke. Nicht nur der umtriebige Bangladeshi mit dem Eimer voll pfeffriger Backwaren hat die Brücke über dem Landwehrkanal für sein Geschäft entdeckt. Je wärmer die Abende, desto voller die Brücke, desto besser der Umsatz – das wissen auch Flaschensammler, Straßenmusiker und die Betreiber der Pizzeria und des Kiosks nebenan.
Seit einigen Sommern versammelt sich Abend für Abend ein buntes Völkchen auf der verkehrsberuhigten Brücke und genießt bei Musik, Eis, Pizza und Bier die mediterrane Atmosphäre. Für viele ist es die »ultimative Berlin-Experience« und dank Erwähnung in Reiseführern längst kein Geheimtipp mehr.
Spät nachts allerdings kippt häufig die friedliche Atmosphäre. Das Publikum schaut tiefer in die Flaschen und dementsprechend laut wird die Party – besonders an den Wochenenden. Für viele der Anwohner ist das eine Zumutung. Als »unerträglich« beschreibt eine Nachbarin, die ihr Schlafzimmerfenster direkt zur Brücke hat, die Situation: Es sei »laut wie in einer Disko«, in manchen Nächten finde sie noch um drei Uhr morgens keine Ruhe. Zudem ärgere sie sich über den vielen Müll am nächsten Morgen, die Pappschachteln und Glasscherben. Auch die Berliner Stadtreinigung hat hier in der letzten Zeit »erheblich« mehr Aufwand, bestätigt Sabine Thümler, Pressesprecherin der BSR.
Wie gravierend die nächtliche Ruhestörung ist, wurde am Dienstag bei einer Anwohnerversammlung im Bezirksamt deutlich. Auf Video hatte einer der Anwohner die nächtliche Lage dokumentiert: Trommelgruppen, schrille Schreie, Flaschengeklapper und Gegröle, lautes Klatschen und Feuerwerkskörper.
Dabei schätzen die meisten Anwohner das Leben auf ihrer »schönen Brücke« in den Abendstunden durchaus. Nachts fände dann aber ein »Klientelwechsel« statt, mit jüngerem, stärker alkoholisiertem Publikum, das deutlich aggressiver und rücksichtsloser reagiere. Da auch das gelegentliche Eingreifen der Polizei wenig zur Verbesserung der Situation beigetragen hat, wurde nun eine »architektonische Lösung« geprüft. Angedacht war, die Poller in der Mitte der Brücke, die viele Besucher zum Sitzen benutzen, zu entfernen. Stattdessen sollte eine Fahrradspur entstehen. Ein zweiter Entwurf mit einer einspurigen Fahrbahn in der Mitte und Fahrradspuren auf beiden Seiten wurde aus statischen Gründen abgelehnt, da die Brücke als nur beschränkt belastbar gilt.
Doch wie es aussieht, bleibt die Brücke erstmal, wie sie ist. Denn Baustadträtin Jutta Kalepky (parteilos) hält die Idee, die Poller zu entfernen und durch eine Fahrradspur zu ersetzen, für keine aussichtsreiche Lösung, um dem Lärm beizukommen. Zudem ließ sie durchsickern, dass für einen solchen Umbau mit unsicherer Erfolgsaussicht schwer Gelder zu bekommen sind. Man stünde vor einem »gemeinsamen Dilemma«, sagte sie.
Auch unter den Anwohnern ist man sich uneinig, wie das Problem zu lösen ist – nicht alle sind für den Umbau. Auf Jutta Kalepkys Mitteilung, nun geschehe erst einmal nichts, reagierten die meisten jedoch sichtlich enttäuscht.
Die Opfer eines deutschen Offiziers in der Nacht des Ramadan vom 3. zum 4. September 2009.
Das Tagebuch des Jeremy-Maria zu Hohenlohen-Puntiz
Preis: 12,95 €
Preis: 7,95 €
20:00 Uhr, Berlin