Das geplante Freundschaftsspiel FC Energie Cottbus gegen den FSV Germania Storkow 90 hat noch vor dem Anpfiff einen Sieger, der gar nicht auf dem Platz steht. Die rechtsextreme NPD verhinderte die Begegnung unter dem Motto »Mit Energie für Toleranz«, die am Sonnabend ausgetragen werden sollte. Der FC Energie hat kurzfristig abgesagt. Warum?
Der NPD-Landeschef und Bundessprecher Klaus Beier, der in der Nähe von Storkow lebt, meldete einen Aufmarsch vom Bahnhofsvorplatz aus an. Das werde Linke auf den Plan rufen und für Polizeipräsenz sorgen, deutete er in einem Brief an den Germania-Vereinsvorsitzenden Dr. Johann Kney an. Beier stellte ein Ultimatum. Der Vorstand sollte das Motto ändern, damit ein Fußballfest »auf rein sportlicher Ebene« zelebriert werden könne.
Germania ließ sich nicht erpressen, aber Energie knickte ein. Man habe zugesichert bekommen, dass die NPD-Demonstration verboten werde, erzählt Energie-Sprecher Ronny Gersch. Da sie aber genehmigt wurde, habe man keine andere Möglichkeit gesehen. Es gehe um die Sicherheit der Spieler und der Fans. Der Linkspartei-Vorsitzende Lothar Bisky bat Energie erfolglos, diese fatale Entscheidung rückgängig zu machen.
Für den FSV Germania, der zuletzt in der Landesklasse Ost den dritten Rang belegte und in der nächsten Saison in die sechste Liga aufsteigen möchte, wäre es das erste Treffen mit dem Zweitligisten Energie Cottbus gewesen. Vereinschef Kney zeigt sich »maßlos enttäuscht und tief traurig«. Das Motto »Mit Energie für Toleranz« gehe nun nicht mehr auf. Dabei hätte man jetzt gerade die breite Brust zeigen müssen, meint Kney. Der Sport bewege sich schließlich nicht im luftleeren Raum und müsse Zivilcourage zeigen. Es wäre ein Unding, wegen 150 angemeldeten Neonazis, von denen wahrscheinlich nur 80 auftauchen, den Schwanz einzuziehen. Die Polizei werde die Lage voll im Griff haben. »Wir werden auf jeden Fall für Toleranz spielen«, kündigt Kney an. Als Ersatzmannschaft für den Zweitligisten werde um 17 Uhr eine Auswahl antreten, die vor allem aus Spielern von Babelsberg und Union Berlin bestehe. Immerhin sollen in dieser Auswahl wenigstens auch einige junge Talente von Cottbus stehen. Wie Energie-Sprecher Gersch erklärt, handelt es sich um Fußballer aus dem eigenen Nachwuchs, die Profiverträge unterschrieben haben und und mit der ersten Mannschaft trainieren, aber noch keine Einsätze in der Bundesliga hatten.
Indes werden die anderen Veranstaltungen des Spieltages auf dem Fußballplatz Karlslust »ausnahmslos« wie geplant stattfinden, versichert Kney. So gibt es um 10 Uhr ein Turnier von zehn Juniorenteams aus Oder-Spree, und die zweite Mannschaft von Germania Storkow kickt gegen Stahl Eisenhüttenstadt. Die Alten Herren treffen um 12.15 Uhr auf eine Elf ehemaliger DDR-Nationalspieler wie Jürgen Sparwasser, Peter Ducke und Frank Lieberam. Am Abend soll sich der Sportplatz in eine Disco verwandeln. Finanzminister Rainer Speer (SPD) legt auf.
Ein Aktionsbündnis »Tolerantes Storkow: Kein Platz für Rechtsextremismus!«, in dem sich auch die LINKE engagiert, wird gegen die NPD demonstrieren. Es bereitet ein Fest der Demokratie vor. Es soll um 13 Uhr auf dem Platz der Opfer des Faschismus (Ernst-Thälmann-Straße, Ecke Berliner Straße) beginnen. »Überlassen wir der NPD nicht die Straße und den Fußball!«, heißt es im Aufruf. Um 17 Uhr, wenn die Nazis die Segel gestrichen haben, möchte man zum Fußball, verrät Biskys Mitarbeiter Stephan Wende.
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