Von Ulrike Henning
04.07.2009

Dem Axolotl auf der Spur

Teltower Forscher suchen Biomaterial für die Medizin

Das Axolotl, ein possierlicher mexikanischer Schwanzlurch, ist das Vorbild: Das Tier kann seine Beine, Organe und sogar Teile des Gehirns und des Herzens vollständig regenerieren. Diese Fähigkeit hätten auch viele Menschen gern. Biomaterialien für die Medizin könnten da schon weiterhelfen. Wissenschaftler am »Zentrum für Biomaterialentwicklung« in Teltow bei Berlin suchen seit einigen Jahren nach Materialien, die zeitweilig Körperfunktionen ersetzen können, bis sich krankes oder verletztes Gewebe oder sogar Organe regeneriert haben. In Zukunft könnten so die heute noch üblichen Langzeitimplantate ersetzt werden.

Das wachsende Durchschnittsalter der Bevölkerung stellt schon heute immer höhere Anforderungen etwa an die Lebensdauer künstlicher Hüften oder von Bypass- und Stent-Material. »Die Gefäße der 70- bis 80-jährigen Herzinfarktpatienten, die ich jeden Tag operiere, sind immer stärker verkalkt und deshalb schwieriger zu behandeln. Heute sind die Bypässe zehn bis zwölf Jahre haltbar, aber im hohen Alter wäre jeder weitere notwendige Eingriff eine riskante Angelegenheit«, erläutert Carsten Tschöpe, Kardiologe an der Berliner Charité, die Anforderungen. Teltower Wissenschaftler entwickeln Polymere als Blutgefäßersatz. Deren Oberflächen werden so behandelt, dass die Bildung von Blutgerinnseln verhindert, aber die Ansiedlung von Gefäßzellen unterstützt wird. Andreas Lendlein, der Leiter des Teltower Zentrums, verweist auf Materialien, die bei komplizierten Brüchen oder nach einer Tumorentfernung eingesetzt werden können. Sie geben Substanzen ab, die das Zellwachstum anregen, eine räumliche Struktur vorgeben und sich nach und nach verträglich im Körper abbauen. Jedoch sei man hier erst im Stadium des Tierversuches. In der Regel, so Lendlein, dauert der gesamte Entwicklungszyklus mindestens 15 bis 20 Jahre von der ersten Synthese bis zum klinischen Einsatz.

Dieser langwierige Prozess von der Grundlagenforschung bis zur industriellen Fertigung soll durch das Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien (BCRT) beschleunigt werden, in das auch das Teltower Zentrum eingebunden ist. Demnächst entsteht außerdem auch ein Biomedizintechnikum. Die Teltower Forschungseinrichtung gehört mit Standorten in drei weiteren Bundesländern zum GKSS-Forschungszentrum innerhalb der Helmholtz-Gemeinschaft.

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