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Boykottaufruf gegen Vattenfall

Kritik in Deutschland, Ruhe in Schweden

Von Andreas Knudsen, Kopenhagen, und Kurt Stenger

Erneut soll ein Bauernopfer bei Vattenfall die Öffentlichkeit nach einem verschwiegenden Störfall besänftigen.

Nach den Störfällen im Atomkraftwerk Krümmel haben Politiker von SPD und Grünen sowie Umweltverbände die Stromkunden dazu aufgerufen, dem Versorger Vattenfall den Rücken zu kehren. »Jetzt besteht die realistische Chance, den Konzern zur Aufgabe seines deutschen Atom-Engagements in Krümmel und Brunsbüttel zu treiben«, sagte Florian Noto, Sprecher der Kampagne »Atomausstieg selber machen«.

Im Heimatland Schweden, wo Vattenfall der wichtigste Stromanbieter ist, sieht man die zahlreichen Störfälle der letzten Jahre eher gelassen. Sie nehmen in den offiziellen Medien nicht viel Raum ein. Kleinere Abweichungen ohne Sicherheitsrisiko – so der Tenor. Dafür fehlt der Hinweis nicht, dass Atomkraft in Deutschland im Gegensatz zu Schweden ein heißes Thema ist. Obwohl in dem skandinavischen Land vor Jahren der Ausstieg prinzipiell beschlossen wurde, spricht heute kaum ein Politiker davon. Im Gegenteil wurde die Laufzeit schwedischer Meiler erst auf 60 Jahre verlängert – in Deutschland ist es die Hälfte.

Kontrovers wird das Thema indes unter Internet-Bloggern diskutiert. So gibt es ironische Anmerkungen zu Vattenfalls Informationspolitik: »Atomkraft ist ungefährlich und Braunkohle grüne Energie. Und die Erde ist eine Scheibe?«, fragt einer bissig.

In den schwedischen Reaktionen dominiert jedoch die Erwartung, dass die Technologie unter Kontrolle ist. Mit Unverständnis werden indes die »Bunkermentalität« und das Fehlen aktiver Medienpolitik kommentiert. Dies kostete bereits 2007 den damaligen Sprecher in Deutschland und den Atomtechnik-Vorstand den Job. Die Funktion wird jetzt von Schweden aus wahrgenommen, ohne dass sich viel geändert hat. Erst drei Tage nach der Panne in Krümmel räumte Vattenfall am Dienstag Fehler ein und gab Details zum Störfall bekannt. Der bisherige Kraftwerksleiter wurde von seinen Aufgaben entbunden.

Alle Fäden laufen indes bei Konzernchef Lars Josefsson zusammen. Er agiert weiter mit leisen Tönen, um die deutsche Energiepolitik in seinem Sinne zu beeinflussen. Immerhin ist er inoffizieller Berater der Kanzlerin, und als Vorstandschef des Staatskonzerns hat er Einfluss auf die von Schweden gerade übernommene EU-Ratspräsidentschaft. In Sachen Atomenergie, aber auch bei der CO2-Speichertechnik für Vattenfalls deutsche Kohlekraftwerke, will Josefsson einiges in Bewegung bringen.

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