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Einstein gegen Oppenheimer

Daniel Freeman vertritt das etwas andere Schach-Internetportal

Das Schachmonopol im Internet beginnt zu wanken. Die bisher konkurrenzlose Partiendatenbank ChessBase wird neuerdings ernsthaft herausgefordert: vom stetig wachsenden Portal www.chessgames.com, hinter dem der Webmaster DANIEL FREEMAN (42) steht. Mit dem Programmierer aus Pompano Beach in Florida (USA) spricht ND-Autor RENÉ GRALLA.
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ND: Wollen Sie das Monopol von ChessBase knacken?
Das Projekt ist eigentlich eher zufällig entstanden. Mein Freund Alberto Artidiello hatte sich schon Mitte der 90er Jahre die Domain Chessgames.com gesichert, aber diese zunächst ruhen lassen. Er entdeckte auch das Potenzial der Programmiersprache Java, Partien abzubilden. Ich entwickelte lange Zeit Webseiten für die Finanzbranche und kannte deshalb die Eigenarten von Usern. Dann beschlossen wir, unsere Erfahrungen zu bündeln – und auf Schach zu übertragen.

Immerhin können bei Chessgames.com schon beachtliche 500 000 Partien aufgerufen werden. Wann wollen Sie die 4,3 Millionen Partien von ChessBase eingeholt haben?
Das haben wir nicht vor. Projektiert sind ungefähr 750 000 Partien. Nach unserer Schätzung ist 800 000 die absolute Zahl aller irgendwie ernsthaften Top-Matches, die es seit den Anfängen der Notation wert sind, dokumentiert zu werden.

Trotzdem stellt sich die Frage: Wozu brauchen wir Chessgames.com, wenn es schon ChessBase gibt?
Wir wollen ChessBase gar nicht herausfordern. Wir präsentieren nicht bloß die Fakten, also die Zugfolgen der Matches, sondern wir verstehen uns als »chess learning site«, als Website, um Schach besser zu verstehen. Wir wollen Diskussionen anstoßen.

Auf Chessgames.com findet der Fan deshalb beispielsweise auch ein Remis, das Ernesto Ché Guevara 1962 in Havanna dem argentinischen Großmeister Miguel Najdorf abgerungen hat ...
Begegnungen von berühmten Persönlichkeiten sind immer interessant, ganz gleich, was dann konkret auf das Brett gestellt worden ist. Mein persönlicher Favorit ist übrigens ein Sieg von Albert Einstein über seinen Physikerkollegen Robert Oppenheimer. Eigentlich eine durchschnittliche Amateurpartie, aber viele werden sie sicher nachspielen.

Aus welchen Quellen stammt Ihr Material?
Die Leute werten alte Schachzeitungen und Bücher aus. Manche sichten nach Turnieren sogar die Partieformulare der Teilnehmer.

Somit lebt Chessgames.com also mehr von der Basis denn vom Promifaktor?
Alle sind willkommen, die Hobbyzocker, aber auch die Profis.

Jeder Surfer hat freien und kostenlosen Zugang zum Partienbestand plus Biografien. Daneben bieten Sie noch eine Premium-Mitgliedschaft an, für umgerechnet 18 Euro im Jahr. Was kriege ich geboten?
Vor allem Sonderfunktionen für Eröffnungen, Endspiele und Opfer. Etwa »Endgame Explorer« oder auch »Sacrifice Explorer«, der Ihnen alle Läuferopfer bringt, die das neuralgische Eck der Rochadeburg erschüttern. Oder alle Damenopfer des genialen Michail Tal. Aktuell haben wir über 115 000 registrierte Mitglieder. Täglich kommen rund 50 neue hinzu.

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