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Von Otto Köhler 11.07.2009 / Kolumnen
Gastkolumne

Eintopf und Ehrenkreuz

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Der Publizist erhielt 2007 den Kurt-Tucholsky-Preis.

Süß und ehrenvoll ist es, wenn die Heimat für die Bundeswehr stirbt. Zynisch? Rudolf Augstein sagte schon vor sechzehn Jahren: »Kein Zyniker zu sein, ist in heutiger Zeit nahezu lebensgefährlich.«

Nahezu war gestern. Heute wird die Freiheit der Bundeswehr am Hindukusch verteidigt. Und wir in der Heimat, ob Mann, ob Frau, ob Kind, sind Geiseln, damit sich die deutsche Wehr-Macht im globalen Einsatz entfalten kann.

Reinhold Robbe (SPD), der Wehrbeauftragte des Parlaments, hat es immer wieder gefordert: alles müsse »zum optimalen Schutz unserer Soldaten« geschehen und alle hätten sich mal hinter, mal vor die Bundeswehr zu stellen. Wolfgang Schäuble (CDU) macht daraus schon lange den Ernstfall. Dass wir mit unserem Leben für die weltweite Freiheit der Bundeswehr einzutreten haben, mutet der Bundesinnenminister uns allen zu.

Schon zwei Jahre vor der Bundestagswahl kündigte Schäuble an, »innerhalb des terroristischen Netzwerkes« werde in unserem Land ein »Anschlag mit nuklearem Material vorbereitet«. Dazu allerdings braucht es längst nicht mehr die Taliban, das besorgt Vattenfall selber. Aber jetzt, seit Beginn des Wahljahres spricht er noch dringlicher aus, dass es in der Heimat zwar lebensgefährlich wird, »Deutschland« sich aber nicht dazu erpressen lasse, mit Rücksicht auf Anschläge vor den Bundestagswahlen die Bundeswehr aus Afghanistan abzuziehen. O-Ton Innenminister: »Wir nehmen die Bedrohung ernst, die Sicherheitsbehörden leisten gute Arbeit und es gilt: Wir lassen uns nicht einschüchtern und eine Erpressung Deutschlands wird keinen Erfolg haben.«

Was immer auch nach dieser Einladung für die Terroristen geschieht: Wir dürfen ruhig sterben, damit die Bundeswehr ihre Tätigkeit weiterhin in aller Welt ausführen kann. Die Verteidigungspolitischen Richtlinien bezeichnen seit 1992 diese Tätigkeit korrekt als »Sicherung unserer Rohstoffe« und nicht als Brunnenbohren oder Mädchenschulenbau.

Damit wir uns frohgemut an die bedrohte Lage der Heimatfront gewöhnen, veranstaltete der dank der Stimme des aus der CDU zur Wählervereinigung »Arbeit-Familie-Vaterland« konvertierten Rechtsxtremisten Henry Nitzsche wiedergewählte Bundespräsident vor dem Brandenburger Tor vorletzten Freitag einen »Tafel der Demokratie« genannten Eintopfsonntag für das Volk – den letzten hat dort Joseph Goebbels in seinem Krieg bereitet. Und Angela Merkel verteilte die ersten Tapferkeitsorden an ihre in Afghanistan kämpfenden Soldaten; sie halfen u.a. verletzten Kindern, die ohne ihre Anwesenheit nicht verletzt worden wären.

Was aber können wir den Taliban entgegenhalten? Sie sagen, wenn sie überhaupt etwas vorher ankündigen, mit der Bombe im KaDeWe verteidigen sie ihr Land gegen »unsere« Bundeswehr. Was immer wir davon halten, in der Katastrophe, die Schäuble beschwört, müssen wir daran glauben. Und wir können die Taliban nur bitten, anstelle eines Kaufhauses doch besser eine Kaserne auszuwählen.

Vielleicht ist es noch nicht zu spät. Operation Handschar (Schwertstoß) nennen die US-Truppen die neueste Großoffensive gegen die Taliban. Höchste Zeit für deutschen Soldaten, aus Afghanistan zu verschwinden. Heinrich Himmler gründete 1943 die kroatische SS-Division Handschar, die Titos Partisanen ausmerzen sollte.

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