Anfang der Woche sorgten voreilige Meldungen der Coca Cola-Deutschland-Zentrale für Aufregung, wonach der Betrieb definitiv bis Ende September geschlossen werden solle. Dies war das unter Vorbehalt vereinbarte Ergebnis der Sitzung einer tariflichen Einigungsstelle am Wochenende in Berlin, nachdem das Management keinerlei Kompromissbereitschaft gezeigt hatte. Der örtliche Coca-Cola-Betriebsrat in Kaiserslautern hat inzwischen jedoch seine Zustimmung zu dem Beschluss verweigert und Rechtsmittel dagegen eingelegt. Die Belegschaft bekräftigte auf einer spontanen Kundgebung am Mittwoch am Werksgelände erneut ihren Willen zur Fortsetzung des Kampfes. Dazu gehört auch die geplante Reise einer Belegschaftsdelegation zur Coca Cola-Konzernzentrale in Atlanta (USA), um dort gegen die Schließungspläne zu protestieren. Die Belegschaft wartet nun auf gründes Licht von der zuständigen Gewerkschaft NGG für einen Arbeitskampf.
Der Konflikt mit dem Management dürfte sich derweil weiter zuspitzen, nachdem letzteres nun damit begonnen hat, einzeln auf Beschäftigte Druck auszuüben, damit sie in einem individuellen Aufhebungsvertrag freiwillig ihren Arbeitsplatz aufgeben. Die Beschäftigten dagegen haben zu Wochenbeginn die Konzernleitung mit einem Offenen Brief an ihr 2008 abgegebenes Versprechen erinnert: »Wir bauen voll auf den Standort Kaiserslautern«, hieß es. Die Belegschaft wirft der Konzernführung vor, aus reiner Profitgier heraus Menschenrechte mit Füßen zu treten. Am Dienstag hisste eine Beschäftigte am Werk die französische Fahne und gab die Parole aus: »Lieber französische Verhältnisse als amerikanische Zustände«.
LINKE-Chef Oskar Lafontaine forderte in der vergangenen Woche in einem Schreiben an die Zentrale in Atlanta die Manager auf, den Stilllegungsbeschluss zu überdenken. Er wies dabei auch auf die hohe Profitabilität des Werkes hin. NGG-Bundesstreikleiter Jürgen Hinzer forderte Gewerkschaften und soziale Bewegungen zur Fortsetzung der Solidaritätsarbeit auf.
Eine spannende Frage in diesem Konflikt dürfte nach Auffassung von Beobachtern nun sein, wie weit die Gewerkschaft NGG die aufmüpfige Belegschaft in Kaiserslautern unterstützt und den exemplarischen Kampf einer mutigen Belegschaft so fördert, dass aus ihm ein Flächenbrand werden kann, der weitere Belegschaften erfasst. Als 2006 das deutsche Coca-Cola-Management 3000 der 9000 Beschäftigten abservieren und die Tarifbindung gleich mit über Bord werfen wollte, leisteten die Belegschaften von mehr als 60 Betrieben aktiven Widerstand. Dadurch wurde seinerzeit die Tarifbindung gerettet.
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