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Von Jörg Meyer 18.07.2009 / Berlin / Brandenburg

Jeton bei Rechten recht beliebt

Nach dem Übergriff: Fotos von Nazis in Disko aufgetaucht / Antifa kritisiert »Extremistenthese«

»Naziladen« oder nicht: Das Jeton an der Frankfurter Allee in Friedrichshain steht weiter in der Kritik, nachdem Donnerstagabend im Internet Fotos von in der Diskothek feiernden Brandenburger Neonazis aufgetaucht waren. Einige der Bilder zeigen zwei der vier Neonazis, die am vorigen Wochenende einen 22-jährigen Neuköllner zwischen U- und S-Bahn Frankfurter Allee fast totgetreten haben. Der mutmaßliche Haupttäter, Oliver K., ist auch auf der Homepage des Jeton in einer Bildergalerie zu sehen – feiernd, bevor er zusammen mit drei Kumpanen dem zuvor bereits bewusstlos geschlagenen Jonas K. gezielt auf den Kopf trat.

Auf einem weiteren Bild ist der ebenfalls an der Tat beteiligte Marcel B. in einer Wohnung mit einem Freund zu sehen – mit SS-Stahlhelm auf dem Kopf und einer Stielgranate in der Hand. In einer Küche sieht man an der Wand das Plakat von »American History X«, einem Film über einen US-amerikanischen Neonazi, der einen Mann mit einem »Bordsteinkick« tötet. Diese Filmszene hat vermutlich für den Versuch, Jonas K. zu töten, als Beispiel gedient.

In einer Stellungnahme des Jeton hieß es, die Neonazis seien vor dem Angriff nicht aus seiner Disko gekommen. Diese Behauptung sei »schlichtweg falsch«. Jeton-Chef Ronny Berkahn sagte gegenüber ND, das habe ihm die Polizei so gesagt. »Was soll ich denn noch tun«, so Berkahn zur Kritik am Jeton. Es gebe Hausverbote, Kontrollen an den Eingängen, und wer sich daneben benimmt, »ob links oder rechts«, fliege raus. Zudem sei er Sponsor bei karitativen Anlässen und unterstütze ein Fußballturnier gegen Rassismus.

»Der Erkenntnisstand war und ist, dass die vier Täter vorher im Jeton waren«, sagt dagegen Polizeisprecher Klaus Schubert. Ob das Jeton bei den Behörden als Nazitreffpunkt gelte, wollte er indes nicht sagen. »Uns ist bekannt, was die linke Szene über den Ort denkt«, so Schubert. Auch wüssten die Fachdienststellen beim Staatsschutz, »wo sich bestimmte Gruppen zu welcher Zeit aufhalten«. Derzeit werde gegen die vier Neonazis, die in Untersuchungshaft sitzen, und gegen zwei Linke ermittelt, darunter Jonas K.. Vernommen werden konnte er noch nicht. »Da haben die Ärzte noch kein grünes Licht gegeben«, so Schubert. Das Opfer des Übergriffs hatte Prellungen, einen Jochbeinbruch und Hirnblutungen erlitten.

Berkahns Aussage, dass seit eineinhalb Jahren Ruhe um das Jeton eingekehrt sei, widersprach die Antifaschistische Linke Berlin (ALB). »Wir gehen davon aus, dass sich im Jeton noch immer regelmäßig organisierte Rechte treffen.« Ein Prozess 2008 gegen Berliner Nazis, die nach einem Jeton-Besuch Menschen verprügelt hatten, sei Beweis genug, meint ALB-Sprecher Lars Laumeyer.

Der Fall erinnere zudem an die Tötung des Hausbesetzers Silvio Meier 1992. Auf einen rechten Aufnäher an der Jacke angesprochen, stach ein Neonazi damals zu, Meier starb. Der Streit am letzten Sonntagmorgen begann vermutlich wegen der »Thor-Steinar«Klamotten eines der Täter. An der Schlägerei soll auch der später schwer Verletzte beteiligt gewesen sein.

Die Darstellung der Vorfälle als »Auseinandersetzungen zwischen ›Extremisten‹, die sich durch ihre Gewaltanwendung gegenseitig hochschaukeln«, kritisiert die ALB scharf. Damit werde rechte Ideologie relativiert, sagt Laumeyer. Ein weiterer linker Mann wurde Montag nach der Durchsuchung seiner Wohnung festgenommen und Dienstagabend wieder entlassen.

Für Samstag rufen Antifa-Gruppen, Verbände und Parteien zur Demonstration gegen Nazigewalt in Friedrichshain auf. Treffpunkt ist um 18 Uhr am Bersarinplatz. Der Stadtteil führt seit Jahren die Statistik rechter Übergriffe in Berlin an. Am Freitag wurde auch bekannt, dass der durch Protest aus dem Ring-Center II vertriebene Laden »Doorbreaker«, in dem bei Nazis beliebte Kleidungsmarken verkauft wurden, vermutlich an die Frankfurter Allee 91 ziehen will – schräg gegenüber vom Jeton.

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