Patricia Rodas, Außenministerin von Honduras' legitimem Präsidenten Manuel Zelaya, rief den Zehntausenden auf dem ehemaligen »Platz der Revolution« (heute »Platz des Glaubens«) am Sonntag (Ortszeit) zu: »Heute wendet sich die Zeit der Putschisten. Noch bevor dieser Tag endet, beginnt unser endgültiger Marsch auf Honduras. Wir werden von allen Seiten über die Grenze kommen, begleitet von unseren Brudervölkern.«
Gastgeber Präsident Daniel Ortega von der Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront (FSLN) machte in seiner fast 80-minütigen Rede klar, dass damit keine militärische Intervention gemeint sei: »Wir wollen eine friedliche Lösung ohne Blutbad.« Die honduranischen Soldaten forderte er auf, sich ihrer Herkunft aus armen Familien zu erinnern und Putschpräsident Roberto Micheletti die Gefolgschaft zu verweigern.
Kritisch bilanzierte Ortega die Rolle von US-Präsident Barack Obama. Dieser sage, er habe von dem Militärputsch in Honduras nichts gewusst. Aber es sei unglaubwürdig, dass ausgerechnet die US-Geheimdienste ihren Präsidenten davon nicht in Kenntnis gesetzt hätten. »Costa Ricas Präsident Óscar Arias erwartete Manuel Zelaya bereits bei dessen Ankunft am Flughafen«, sagte Ortega. Am Sonntag vor drei Wochen war Zelaya in den frühen Morgenstunden von Putschmilitärs aus seinem Amtssitz nach Costa Rica verschleppt worden. »Bestimmte Kreise in den USA haben Óscar Arias so positioniert, damit er als Vermittler auftreten kann. Er ist ein alter Vertrauter und verlässlicher Vertreter von US-Interessen«, meinte Ortega weiter.
Nicaraguas Präsident stellte aber auch klar: Er sei davon überzeugt, dass die Masse der USA-Bevölkerung die Militärputsche ablehne, in die ihre Regierung seit Jahrzehnten verstrickt sei.
In ihren Reden bezogen sich die Politiker auf die Erfahrungen mit Militärputschen und Diktaturen in Lateinamerika in den vergangenen 100 Jahren. »Die Völker dieses Kontinentes haben eine lange Tradition des Widerstands. Nur Einheit, Frieden und Integration werden uns in diesen schwierigen Zeiten zum Sieg führen«, sagte Kubas Vizepräsident Esteban Lazo. Zustimmung bekam er dafür von Rigoberta Menchú, die als Vertreterin der indigenen Völker Guatemalas auf der Veranstaltung sprach. Die Friedensnobelpreisträgerin rief die Menschen auf, gegen Rassismus und die Zerstörung der Erde zu streiten: »In Guatemala werden die Rechte der indigenen Bevölkerung jeden Tag verletzt, gegen ihren Willen werden Goldminen in ihre heiligen Berge getrieben. Ich bin Maya und darauf bin ich stolz.« Eine besondere Rolle im Kampf für die Gesundheit von »Mutter Erde« komme der Jugend zu. »Leider gibt es viele Länder, in denen die Jugend keine Ideale hat. Hier in Nicaragua ist das anders. Ich sehe hier auf dem Platz sehr viele junge Menschen und ich sehe, sie haben Hoffnung. Vergesst niemals eure Ideale!«, rief Menchú.
Vor 30 Jahren besiegte die sandinistische Volksbewegung mit Unterstützung einer internationalen Solidaritätsbewegung die jahrzehntelange Diktatur des Somoza-Clans. Von 1979 bis 1990 versuchte das sandinistische Nicaragua eine soziale Transformation, die Menschen in Ost und West begeisterte. Die USA finanzierten einen schmutzigen Krieg dagegen. Im Jahr 1990 gewann das neoliberale Bündnis UNO die Wahlen und machte sich an den Abbau der sozialen Errungenschaften.
Anfang 2007 trat wieder Daniel Ortega das Präsidentenamt an mit dem Versprechen, die Revolution fortzuführen. Doch die FSLN von heute ist eine andere als damals, was der Politiker in seiner Rede am Sonntag klar machte. Während er früher marxistischen Ideen nahestand, sagte er nun: »Christentum und Sozialismus sind die Werte, die einen Revolutionär ausmachen.« Kommentar Seite 8
Aktuelle Ausgabe: 23.05.2012
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