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Von Hendrik Lasch, Dresden 22.07.2009 / Inland

Irrte das MfS bei Frau Tillich?

Sachsen: Widerspruch zu Nolles Buch über DDR-Vergangenheit der CDU

Der sächsische SPD-Mann Karl Nolle muss sein Buch über die Ost-Vergangenheit der CDU in einer besonders heiklen Passage ergänzen.

Der Passus, der dem SPD-Abgeordneten Karl Nolle nach der Vorstellungen seines Buches »Sonate für Blockflöte und Schalmeien« zur DDR-Vergangenheit der CDU besonders harsche Kritik einbrachte, steht auf Seite 140. In einem Abschnitt über sächsische Teilnehmer an den »Kaderschulungen« in der CDU-Parteischule Burgscheidungen taucht Veronika Tillich auf. Vor 1989 war sie »politischer Instrukteur der CDU-Kreisleitung«, zudem ist sie Ehefrau von Ministerpräsident Stanislaw Tillich. Dass die heute 50-Jährige, die keine politischen Ämter mehr innehat, im Buch erwähnt wird, wurde Nolle nicht nur in der CDU übel genommen. Dort gilt der Umstand, dass Tillichs Familie angegriffen wird, als einmaliger »Tabubruch«. Aber auch in der SPD sorgte vor allem dieses Detail für geharnischte Kritik. Landeschef und Tillich-Vize Thomas Jurk erklärte, es gebe »eine klare Grenze«: Werde die Familie hineingezogen, »ist der Bogen überspannt«.

Ausgerechnet in dieser heiklen Passage ist Nolle womöglich ein Fehler unterlaufen. Das zumindest schreibt die »Sächsische Zeitung« unter Verweis auf Auskünfte der Konrad-Adenauer-Stiftung. Anders als im Buch dargestellt, habe Veronika Tillich nicht am Mittelstufenlehrgang I/87 in Burgscheidungen teilgenommen. Es gebe weder Teilnehmerausweis noch Beurteilungsbogen oder einen Eintrag in den Zimmerbelegungslisten.

Nolle hatten die bei der Adenauer-Stiftung lagernden Archivunterlagen nicht zur Verfügung gestanden. Wende man sich an die Stiftung, schreibt er in seinem Buch, dann erhalte man die Antwort, das Material sei »leider (noch) nicht übersichtlich registriert und man könne keine Namen der Teilnehmer von Kaderschulungen« finden. Allerdings verweist der SPD-Mann auf ein Dokument der MfS-Hauptabteilung XX vom November 1986. Es handelt sich um eine Namensliste für den Mittelstufenlehrgang I/87. Darauf steht Veronika Tillich. Diese sei also »fest als Teilnehmerin vorgesehen« gewesen, erklärte Nolle gestern. Warum sie schließlich doch nicht in Burgscheidungen war, sei ihm nicht bekannt. Nolle meldet indes Zweifel an der Aktenlage bei der Adenauer-Stiftung an: Womöglich sei deren Archiv in einem ähnlichen »von politischen Interessen nicht unabhängigen« Zustand wie das Kreisarchiv Kamenz. Dort lagern Bestände aus der Zeit, als Tillich Vizechef des Rates des Kreises war. Diese sollen laut Presseberichten Lücken aufweisen.

Für Nolles Hauptargument, wonach die CDU nicht ehrlich mit ihrer Geschichte als Blockpartei in der DDR umgehe, ist Veronika Tillichs Parteischulbesuch kaum entscheidend. Durch den Fehler dürften sich aber die Kritiker Nolles bestärkt fühlen. Dieser versprach nun, er werde den »Aspekt der unterschiedlichen Quellenlage« in der dritten Auflage erwähnen.

Die Mehrzahl der Wähler in Sachsen scheint sich indes wenig daran zu stoßen, dass Tillich seine offiziellen Biografien glättete und in einem Personalfragebogen nach der Ernennung zum Minister 1999 etwa seine dienstlichen Stasi-Kontakte verschwieg – ein Umstand, der für andere Beschäftigte im öffentlichen Dienst fatale Folgen hatte. Laut einer Meinungsumfrage, die unlängst von der »Leipziger Volkszeitung« veröffentlicht wurde, hat das Thema Tillich und der CDU bislang nur marginal geschadet. Mehr als zwei Drittel der Befragten seien der Ansicht, dass sich Tillich »für seine Vergangenheit nicht zu schämen braucht und dass der aus dem Westen stammende Karl Nolle keine Ahnung habe, wie es wirklich war«, heißt es in Auswertung der Umfrage, die 42 Prozent für die CDU, eine schwarz-gelbe Mehrheit und damit den Verlust der Regierungsbeteiligung für Nolles SPD vorhersagt. Allerdings widersprechen andere Experten: Die CDU werde unter 40 Prozent bleiben, behauptet etwa der Ulmer Wahlforscher Andreas Kohlsche im Leipziger Radiosender »Mephisto«. Ein Grund: die DDR-Vergangenheit Tillichs.

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