Das Bild der Ausgestoßenen, die sich täglich am Kottbusser Tor versammeln, könnte schon bald der Vergangenheit angehören. Denn mit dem gestern in Kraft getretenen (Bundes-)Gesetz zur geregelten Abgabe von synthetischem Heroin konnte nach jahrelangem Kampf ein kleiner Sieg der Vernunft über faktenferne Ideologie errungen werden. Berlin mit seinen diversen offenen Drogen-Szenen wird diese Gelegenheit der würdevollen Behandlung Suchtkranker hoffentlich beim Schopfe packen.
Dass das Gesetz am Gedenktag für die verstorbenen Drogenabhängigen in Kraft trat, hat zusätzliche Symbolkraft. Denn vielleicht ist das fortschrittliche und in Praxisversuchen geprüfte Modell mehr als nur symbolische Wende in der seit Jahrzehnten in bizarrem Stillstand verharrenden Drogenpolitik.
Lang ersehnt von Sozialverbänden, Ärzten, progressiven Polizisten, Süchtigen und deren Eltern (ja von praktisch jedem, außer CDU-Mitgliedern), könnte der gestrige Tag im Rückblick schon bald als Wegmarke weg von Kriminalisierung und Verelendung gelten. Denn beides ist schlicht überflüssig. Studien zeigen, dass Menschen jahrzehntelang heroinabhängig sein können, ohne körperlich Schaden zu nehmen, dass Betroffene bei regelmäßiger Versorgung mit reinem Stoff ein normales Leben ohne Krankheit und Kriminalität führen können. Im Vergleich zu an jeder Ecke beworbenen Drogen wie Nikotin und Alkohol sind die Heroin-Opferzahlen zudem geradezu verschwindend.
Berlin sollte also den nun eröffneten progressiven Weg beherzt und konsequent beschreiten.
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