Ortstermin bei der Arabischen Eltern Union: Integrationssenatorin Heidi Knake-Werner
Foto: ND/Burkhard Lange
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Die Rundtour beginnt mit einem Schock. Haarscharf rast ein jugendlicher Radfahrer auf dem Bürgersteig an Integrationssenatorin Heidi Knake-Werner (LINKE) vorbei, als sie gerade ihren Amtssitz in der Oranienstraße verlässt, um die Journalisten zu begrüßen, die mit ihr gemeinsam drei Projekte des Öffentlichen Beschäftigungssektors (ÖBS) besuchen wollen.
Danach gestaltet sich der Tag allerdings umso herzlicher: In den Räumlichkeiten der Elternakademie des russisch-deutschen »Clubs Dialog« in Wedding werden Obst-Piroggen und Bulotschki kredenzt. Die russischen Migranten, in der Hauptsache Frauen, sind durchweg begeistert von den Möglichkeiten, die der staatlich geförderte Beschäftigungssektor bietet. Endlich würde ihnen eine längerfristige Perspektive geboten, heißt es immer wieder. Auf insgesamt drei Jahre sind ÖBS-Stellen ausgelegt, der Lohn für die sozialversicherungspflichtigen Jobs liegt bei 1400 Euro Brutto.
»Wir machen Elternarbeit, beraten, aktivieren und bieten Möglichkeiten für Sport, Freizeit und Kultur«, umreißt Tatjana Forner, Vorstandsmitglied des Clubs Dialog, die vielfältige Arbeit der sogenannten Integrationslotsen der Elternakademie. Die Zielgruppe des Projekts ist indes riesig. Rund 150 000 Migranten, unter ihnen viele jüdische Kontingentflüchtlinge, sind seit Beginn der neunziger Jahre aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion nach Berlin gekommen. Aus dieser ersten Generation erwächst zur Zeit die zweite. Deren junge Eltern etwa schult und berät die Elternakademie: bei Fragen zu Behördengängen oder zur Anerkennung von Bildungsabschlüssen, mit denen viele hochgebildete russische Migranten hierzulande Probleme haben.
»Die Potenziale der Migranten werden nicht genutzt«, sagt Tatjana Forner. Viele der Frauen nicken, Heidi Knake-Werner fragt nach, lobt, schüttelt Hände und lässt sich schließlich die Räumlichkeiten der deutsch-russischen Elternakademie zeigen: Den Tanzsaal, die Bibliothek, den Computerraum und die Nähwerkstatt – vielleicht sieht so erfolgreiche Integration aus, denkt man.
Senatorin Heidi Knake-Werner selbst ist zwar nur noch bis Mitte Oktober im Amt, dennoch will sie von einer Abschiedstour nichts wissen. Bis zuletzt hat sie in den laufenden Haushaltsberatungen für den ÖBS gekämpft. »Ich bin zufrieden«, sagt sie jetzt im Bus zwischen den Terminen. Rund 8500 ÖBS-Stellen soll es bis zum Ende des Jahres geben. Für 10 000 hat sie dem Finanzsenator Ulrich Nußbaum die finanziellen Mittel abgetrotzt. Sicher, dass ist angesichts der hohen Arbeitslosenzahl wenig, räumt sie ein.
Doch wie wichtig solche Stellen beispielsweise für Migranten sind, bestätigt sich auch beim nächsten Ortstermin bei der Arabischen Eltern Union (AEU). Der Verein qualifiziert in einem Gemeinschaftsprojekt Elternlotsen für arabische Eltern. »Unser Ziel ist es, den Kindern von heute zu ersparen, dass sie ähnlich chancenlos sind wie die letzte Migrantengeneration«, sagt Ghassan Hajjo, der als Elternlotse an der Willy-Brandt-Oberschule tätig ist. »Für mich persönlich ist die ÖBS-Stelle so was wie eine Berufung«, meint Hajjo. Man nimmt ihm das ohne weiteres ab.
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