Sprungmarken: Inhalt, Navigation.
Schnellsuche

Erweiterte Suche

Von Martin Kröger 24.07.2009 / Berlin / Brandenburg

Impulsgeber der Integration

Senatorin Knake-Werner besucht Projekte des Öffentlich geförderten Beschäftigungssektors

1
Ortstermin bei der Arabischen Eltern Union: Integrationssenatorin Heidi Knake-Werner

Die Rundtour beginnt mit einem Schock. Haarscharf rast ein jugendlicher Radfahrer auf dem Bürgersteig an Integrationssenatorin Heidi Knake-Werner (LINKE) vorbei, als sie gerade ihren Amtssitz in der Oranienstraße verlässt, um die Journalisten zu begrüßen, die mit ihr gemeinsam drei Projekte des Öffentlichen Beschäftigungssektors (ÖBS) besuchen wollen.

Danach gestaltet sich der Tag allerdings umso herzlicher: In den Räumlichkeiten der Elternakademie des russisch-deutschen »Clubs Dialog« in Wedding werden Obst-Piroggen und Bulotschki kredenzt. Die russischen Migranten, in der Hauptsache Frauen, sind durchweg begeistert von den Möglichkeiten, die der staatlich geförderte Beschäftigungssektor bietet. Endlich würde ihnen eine längerfristige Perspektive geboten, heißt es immer wieder. Auf insgesamt drei Jahre sind ÖBS-Stellen ausgelegt, der Lohn für die sozialversicherungspflichtigen Jobs liegt bei 1400 Euro Brutto.

»Wir machen Elternarbeit, beraten, aktivieren und bieten Möglichkeiten für Sport, Freizeit und Kultur«, umreißt Tatjana Forner, Vorstandsmitglied des Clubs Dialog, die vielfältige Arbeit der sogenannten Integrationslotsen der Elternakademie. Die Zielgruppe des Projekts ist indes riesig. Rund 150 000 Migranten, unter ihnen viele jüdische Kontingentflüchtlinge, sind seit Beginn der neunziger Jahre aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion nach Berlin gekommen. Aus dieser ersten Generation erwächst zur Zeit die zweite. Deren junge Eltern etwa schult und berät die Elternakademie: bei Fragen zu Behördengängen oder zur Anerkennung von Bildungsabschlüssen, mit denen viele hochgebildete russische Migranten hierzulande Probleme haben.

»Die Potenziale der Migranten werden nicht genutzt«, sagt Tatjana Forner. Viele der Frauen nicken, Heidi Knake-Werner fragt nach, lobt, schüttelt Hände und lässt sich schließlich die Räumlichkeiten der deutsch-russischen Elternakademie zeigen: Den Tanzsaal, die Bibliothek, den Computerraum und die Nähwerkstatt – vielleicht sieht so erfolgreiche Integration aus, denkt man.

Senatorin Heidi Knake-Werner selbst ist zwar nur noch bis Mitte Oktober im Amt, dennoch will sie von einer Abschiedstour nichts wissen. Bis zuletzt hat sie in den laufenden Haushaltsberatungen für den ÖBS gekämpft. »Ich bin zufrieden«, sagt sie jetzt im Bus zwischen den Terminen. Rund 8500 ÖBS-Stellen soll es bis zum Ende des Jahres geben. Für 10 000 hat sie dem Finanzsenator Ulrich Nußbaum die finanziellen Mittel abgetrotzt. Sicher, dass ist angesichts der hohen Arbeitslosenzahl wenig, räumt sie ein.

Doch wie wichtig solche Stellen beispielsweise für Migranten sind, bestätigt sich auch beim nächsten Ortstermin bei der Arabischen Eltern Union (AEU). Der Verein qualifiziert in einem Gemeinschaftsprojekt Elternlotsen für arabische Eltern. »Unser Ziel ist es, den Kindern von heute zu ersparen, dass sie ähnlich chancenlos sind wie die letzte Migrantengeneration«, sagt Ghassan Hajjo, der als Elternlotse an der Willy-Brandt-Oberschule tätig ist. »Für mich persönlich ist die ÖBS-Stelle so was wie eine Berufung«, meint Hajjo. Man nimmt ihm das ohne weiteres ab.


Öffentlich geförderter Beschäftigungssektor (ÖBS)

  • Über den ÖBS können Langzeitarbeitslose, die mindestens zwei sogenannten Vermittlungshemmnisse haben, in der Hauptstadt eine Stelle erhalten.
  • Im Oktober 2007 wurde damit ein neues Instrument zur Beschäftigungsförderung eingeführt. Finanziert wird der ÖBS mit Bundes- und Landesmitteln.
  • Zum Stichtag 15. Juni 2009 waren insgesamt 6834 Menschen im Öffentlich geförderten Beschäftigungssektor beschäftigt, davon wurden 5163 über den Beschäftigungszuschuss nach § 16 a SGB II finanziert, 1671 über das Bundesprogramm »Kommunal-Kombi«.
  • Bewilligt sind derzeit insgesamt 6000 Stellen über Beschäftigungszuschuss sowie 1684, die über das Bundesprogramm »Kommunal-Kombi« finanziert werden, insgesamt also 7684 Stellen.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Kommentare zu diesem Artikel

Kommentar schreiben (Login erforderlich)
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Ihre Meinung zu diesem Artikel

62. Berlinale

Am 9. Februar beginnt die 62. Berlinale. In diesem Jahr steht das Filmfestival in Berlin im Zeichen der Aufbrüche und Umbrüche in der Gesellschaft. Bis zum 19. Februar rund 400 Werke aus aller Welt gezeigt. Im Wettbewerb der Berlinale
konkurrieren acht Filme um den Goldenen und mehrere Silberne Bären.

Alle Dossiers

Facebook
Twitter
Umfrage

Leserpreis 2012

Auszeichnung beim »Fest der Linken«
nd-Sonderbeilagen

Beilagenplan 2012

Die Sonder- veröffentlichungen in der Übersicht
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Werbung:

Werbung:

Sprungmarken: Seitenanfang.