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Irmtraud Gutschke 25.07.2009 / Inland
Personalie

Der Ankläger

Ralph Giordano / Fast immer im Kampf: diesmal gegen Felicia Langer

Große Drohgebärde: Ralph Giordano will sein Bundesverdienstkreuz und sein Großes Verdienstkreuz zurückgeben, wenn Felicia Langer ihr Bundesverdienstkreuz behält. Da könnten wir Nicht-Kreuz-Träger die Achseln zucken: Macht das unter euch Bundesverdienstlern doch alleine aus. Giordanos Vorwurf, niemand habe »Israel mehr geschadet als diese angebliche Menschenrechtsaktivistin«, klingt beleidigend und von vornherein überzogen, auch wenn man nichts von Felicia Langers Mut wüsste, vor israelischen Gerichten Palästinenser verteidigt zu haben. Dass sie damit auch »Gutes für das israelische Volk tue«, davon ist sie überzeugt, und viele sehen es ebenso. »Dies ist eine Verleumdungskampagne«, sagt sie, »das tut weh.« Aber sie dürfte auch wissen, dass sie sich – als Verteidigerin – mit Giordano – als Ankläger – in einem Medienspiel befindet.

Wenn eine aufgeregte Stimme gebraucht wird, lädt man ihn in die Talkshow ein – als wortgewaltigen Streiter für israelische Staatsinteressen, als Warner vor islamischer oder kommunistischer Gefahr. Selbst wer da nicht seiner Meinung ist, wird an das Trauma von Giordanos Jugend denken. Als Kind einer jüdischen Mutter überlebte er die NS-Zeit im Versteck und schwor sich nach 1945, alles für die Aufklärung der Verbrechen gegen die Juden zu tun. Eine Zeitlang war er Kommunist. Sein Abrechnungsbuch »Die Partei hat immer recht« bescherte ihm 1961 Aufmerksamkeit in der west-deutschen Medienöffentlichkeit. Er wurde in die Ost-West-Redaktion des NDR berufen.

Ab 1964 bis zu seiner Pensionierung 1988 arbeitete er beim WDR in Köln, wo er über 100 Fernsehfilme zur Auseinandersetzung mit dem Faschismus, dem Stalinismus und auch über Probleme in der Dritten Welt drehte. 1982 veröffentlichte er sein Buch »Die Bertinis« über die Geschichte seiner Familie. In »Die Zweite Schuld oder Von der Last Deutscher zu sein« beschäftigte er sich mit der Verdrängung der NS-Schuld. Weil er sich gegen Rechtsextremismus in Deutschland wandte, wurde er Zielscheibe von Morddrohungen.

Mit 86 ein Mann wie ein Baum. Unduldsam. Immer auf dem Sprung, in einen Kampf zu ziehen. Und das so öffentlichkeitswirksam wie möglich.

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