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Von Frank González García 25.07.2009 / Ausland

Ein Blick aus lateinamerikanischer Perspektive

Die kubanische Nachrichtenagentur Prensa Latina feiert ihren 50. Geburtstag

Frank González (li.) und der kubanische Vizepräsident
Frank González (li.) und der kubanische Vizepräsident Esteban Lazo (re.). Auf der Urkunde: Che Guevara und PL-Gründer Masetti

Prensa Latina erblickte am 16. Juni 1959 das Licht der Welt. Die Bestimmung war klar: eine Agentur mit einer anderen Sicht als die der damaligen Medienmonopole zu etablieren – mitten in die Ströme der internationalen Nachrichtenagenturen hinein und trotz geringerer finanzieller und technischer Mittel als die Kontrahenten.

Die Geschehnisse in Lateinamerika und besonders das emanzipatorische Projekt der kubanischen Revolution waren von Beginn an Prioritäten in der Berichterstattung der Agentur, die im Revolutionsführer Fidel Castro und im Kommandanten Ernesto Che Guevara ihre maßgeblichen Impulsgeber hatte und im argentinischen Journalisten Jorge Ricardo Masetti ihren ersten Direktor.

Rund 20 Journalisten waren es am Anfang, darunter solche, die später zu großer internationaler Berühmtheit gelangten wie der Kolumbianer Gabriel García Márquez. Prensa Latina entstand in einem internationalen Medienkontext, in dem kapitalistische Nachrichtenagenturen mit globaler Reichweite dominierten und die Informationsflüsse quasi der ganzen Welt kontrollierten – mit Ausnahme der sozialistischen Länder in Europa und Asien. Die nordamerikanischen Agenturen AP und UPI regierten in Lateinamerika.

Prensa Latina hat sich von Anbeginn von den Mythen des bürgerlichen Journalismus distanziert und offen ihre politische Verpflichtung gegenüber der revolutionären Sache verkündet, freilich ohne auf die professionelle Strenge zu verzichten, die ihre Mission verlangt.

Die Identifikation von Prensa Latin mit der kubanischen Revolution bedeutete unter anderem, eine neue Form des Journalismus zu praktizieren: objektiv, aber nicht unparteiisch, wie es der erste Direktor Masetti proklamierte

Mit der Expansion in den 70er und 80er Jahren stand die Agentur in voller Blüte, mit einer Produktion von rund 400 täglichen Nachrichten in Spanisch, Englisch, Französisch und Portugiesisch, mit Büros in 40 Ländern.

Teilweise erholt von der Wirtschaftskrise, die Prensa Latina Anfang der 90er Jahre getroffen hatte, zählt Prensa Latina heute 26 Korrespondenten in 26 Ländern, 3 in Asien, 2 in Afrika, 5 in Europa und 16 in Amerika. Wie zu den Hochzeiten werden wieder im Schnitt 400 Nachrichten täglich in Spanisch, Englisch, Portugiesisch, Italienisch und Russisch verbreitet und die Agentur ist im Internet mit einem Portal vertreten.

Während der ersten 50 Jahre seines Bestehens schaffte es Prensa Latina nicht nur, auftauchende Hindernisse zu überstehen, sondern war auch fähig, einen eigenständigen Platz in den Informationsströmen zu erobern, ohne auf ihre Prinzipien zu verzichten noch auf ihren Anspruch der permanenten Suche nach der Wahrheit als höchsten Wert des revolutionären Journalismus, wie ihn Masetti und seine Kollegen proklamiert haben.

Kooperation mit ND

20 Jahre nach dem Systemwechsel in den ehemals sozialistischen Staaten Europas kehrt die kubanische Nachrichtenagentur Prensa Latina nach Deutschland zurück. Die Eröffnung dieser Zweigstelle ist auch dank eines Kooperationsvertrages mit der sozialistischen Tageszeitung Neues Deutschland möglich. Nach 1990 mussten viele der Büros in Europa schließen. Mit der Erholung der kubanischen Wirtschaft in den vergangenen Jahren aber konnte das nach der Revolution 1959 gegründete Nachrichtenunternehmen sein Korrespondentennetz wieder ausbauen. Nach der Wiedereröffnung der Auslandsbüros in Panama und der Türkei (2005), Frankreich (2006), Uruguay und Indien (2007) sowie Ägypten (2008) wird in Berlin die jüngste Vertretung der Agentur außerhalb Kubas eingerichtet.

Als Korrespondent der Nachrichtenagentur wird der Journalist Harald Neuber künftig aus dem deutschsprachigen Raum für Prensa Latina berichten. Die Zusammenarbeit zwischen Prensa Latina und ND leistet damit einen aktiven Beitrag zur alternativen Information – auf beiden Seiten des Atlantiks. ND

Der Autor ist Präsident von Prensa Latina.
Übersetzung: Martin Ling

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