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Von Peter Nowak 05.08.2009 / Wirtschaft

Besetzte Fabrik geräumt

Maschinenwerk INNSE in Mailand soll abgerissen werden

Die Polizei hat in Mailand die seit 14 Monaten besetzte Maschinenfabrik INNSE geräumt. Dabei wurden nach Berichten von Arbeitern zahlreiche Menschen verletzt.

Etwa 50 Beschäftigte hatten das Werk Ende Mai 2008 besetzt. Zuvor hatte der Fabrikbesitzer per Telegramm mitteilen lassen, dass der Betrieb geschlossen werde. Die Besetzer waren nicht nur mit der italienischen Polizei, sondern auch mit einem vom Unternehmer angeheuerten Sicherheitsdienst konfrontiert. Mehrmals gab es Räumungsversuche. Im Februar dieses Jahres musste sich die Polizei wegen heftiger Gegenwehr der Besetzer und ihrer Unterstützer wieder zurückziehen. Auf beiden Seiten gab es Verletzte. Ein 50-jähriger Arbeiter starb an einem Herzinfarkt.

Ein INNSE-Beschäftigter sprach auf einer Solidaritätsveranstaltung von einem dreiköpfigen Ungeheuer, gegen das man kämpfen müsse: »Genta als Besitzer der Maschinen, AEDES als Besitzer des Fabrikgeländes und die Mailänder Behörden, die mit den Eigentümern unter einer Decke stecken.«

Der Unternehmer Sylvano Genta hatte vor etwa drei Jahren die Maschinen des Werkes einer staatlichen Auffanggesellschaft für einen Spottpreis mit dem Versprechen abgekauft, die Produktion weiterzuführen. Das Gelände gehörte bereits der Immobilienfirma AEDES, die darauf wartete, die Maschinen abzutransportieren und die Werkhallen zu räumen, um das Fabrikgebäude abzureißen. Das Gelände soll für die Expo 2015 verwendet werden. Deswegen hatte auch die Mailänder Stadtverwaltung Interesse an einem schnellen Ende der Besetzung.

Die Aktion sorgte in den vergangenen Monaten über Italien hinaus für Aufmerksamkeit. Solidaritätskampagnen mit dem Motto »Hände weg von der INNSE« gab es auch in der Schweiz, in Österreich und Spanien. Insbesondere Gewerkschaftslinke diskutieren Fabrikbesetzungen zunehmend als eine Strategie im Widerstand gegen Werksschließungen. Immerhin verfügen die Arbeiter mit der Kontrolle der Maschinen über ein wichtiges Druckmittel gegenüber den Besitzern. Die Räumung in Mailand zeigt, dass die Gegenseite genau das verhindern will.


Thomas Cook

Auch in Dublin wurde ein besetzter Betrieb geräumt. Am Dienstagmorgen stürmte die Polizei ein seit dem 31. Juli besetztes Reisebüro von Thomas Cook in der irischen Hauptstadt. Mit der Aktion wollten die 78 Beschäftigten des zum insolventen deutschen Arcandor-Konzern gehörenden Reisebüros die Entlassung der Hälfte der Belegschaft verhindern. Bei der Räumung wurden 38 Arbeiter vorübergehend festgenommen. PN

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