Arbeiten an einem Vestas-Windrad in Brandenburg
Foto: dpa
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Im März beschloss der dänische Vestas-Konzern, seine Fabrik auf der Isle of Wight vor der Südküste Großbritanniens zu schließen. Der Konzern stellt hier Windturbinen für »Offshore«-Anlagen her. Für diese bestehe in Großbritannien eine zu geringe Nachfrage, so die Begründung. Dabei erwirtschaftete Vestas im ersten Quartal des Jahres 56 Millionen Dollar Profit – ein Anstieg um 70 Prozent.
Die über 600 Beschäftigten auf der Isle of Wight wollen die Schließungspläne nicht hinnehmen. Vestas ist der einzige große Arbeitgeber für qualifizierte, gut bezahlte Jobs auf der Insel. Und von einer Schließung wären auch andere Betriebe betroffen. Übrig blieben nur schlecht bezahlte Jobs im Tourismus. »Für uns hätte die Stilllegung ähnlich fatale Folgen wie die Stilllegung der Bergbauindustrie in Yorkshire«, sagte ein Vestas-Mitarbeiter kürzlich auf einer Solidaritätsveranstaltung. »Dort wurden einigermaßen wohlhabende Landstriche in Wüstenregionen voller Drogenmissbrauch und Armut verwandelt. Dies können wir nicht akzeptieren, weder für uns noch für nachfolgende Generationen.«
20 Arbeiter griffen am 21. Juli zur direkten Aktion, nutzten ihre ID-Karten, um in die Fabrik einzudringen und diese zu besetzen. Tags darauf riegelten der private Sicherheitsdienst und die Polizei das Gelände ab. Trotzdem gelangten weitere Personen in die Fabrik. Und am Dienstag besetzten fünf Gewerkschafts- und Umweltaktivisten das Dach einer zweiten Vestas-Fabrikhalle. Die Aktivisten fordern von der britischen Regierung die Verstaatlichung der Fabrik.
Die Belegschaft hat ein Streikkomitee gewählt, die Transportarbeitergewerkschaft RMT organisiert Solidarität und Rechtshilfe. Vestas hatte laut RMT eine Gewerkschaftspräsenz in der Fabrik bislang verhindert. Auf einer Solidaritätsdemonstration vor den Fabriktoren erklärte RMT-Generalsekretär Bob Crow: »Die Bosse behandeln Arbeiter wie Zitronen, die man erst ausdrücken und dann wegschmeißen kann. Wir haben also die Wahl. Wir können aufgeben, so dass man nach Belieben auf uns herumtrampeln kann, oder wir kämpfen.« Der Regierung in London warf Crow Heuchelei vor. Es könne nicht sein, dass ein Millionenprogramm für den Klimaschutz bereitgestellt und gleichzeitig die Schließung von Großbritanniens einziger Windturbinenfabrik hingenommen werde.
Vestas reagierte auf die Besetzung mit der fristlosen Kündigung der beteiligten Arbeiter. Diese wurde in einer Pizzabox zugestellt. Dies finden die Arbeiter insbesondere deshalb geschmacklos, weil vom Konzern angeheuerte Sicherheitskräfte jegliche Wasser- und Nahrungszufuhr an die Besetzer verhindern. Nahrung muss von Unterstützern durch kreative Aktionen hineingeschmuggelt werden.
Zudem ließ Vestas alle Telefonverbindungen kappen und erwirkte am Dienstag einen Gerichtsbeschluss, der die Zwangsräumung ermöglicht. Dies wollen hunderte Unterstützer aus der Gewerkschafts- und Umweltbewegung verhindern, die sich vor der Fabrik versammeln. Auch in anderen Städten wie London, Bristol und Manchester gab es Solidaritätsaktionen. »Unser Kampf ist noch lange nicht zu Ende, wir bleiben hier«, so die Reaktion der Besetzer auf den Räumungsbeschluss.
Re: Man kann wohl nur einseitige Berichterstattung erwarten,
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