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Von Manuela Lintl 06.08.2009 / Berlin / Brandenburg

Der Städter und das liebe Vieh

Noël O’Callaghan und dougfender mit »Pet Parade« in der Galerie im Saalbau

Neukölln ist immer wieder gut für Kunstprojekte mit dem Charakter von sozialen Studien. So war beispielsweise die hohe Vereinsdichte im Reuterkiez schon mal Anlass für ein Kunstprojekt, und nun regt die hohe Konzentration von Tierhaltern und den dazugehörigen Dienstleistungsbereichen von Tierärzten bis zu Heimtierbedarfsläden zwei Künstler zu einer öffentlichen Kunstintervention an. Seit drei Jahren organisieren Noël O’Callaghan und dougfender im Neuköllner Körnerkiez die sogenannte Pet Parade, eine wohl auch von hauptstädtischen Mega-Events wie der »Love Parade« und dem »Karneval der Kulturen« inspirierte Kunstaktion im öffentlichen Raum. Jeweils im September rufen die Organisatoren auf Plakaten und Flyern die Kiezanwohner mit Sprüchen wie »mach mit« und »zeig dein Haustier« dazu auf, an dem Umzug mit ihren Haustieren teilzunehmen. Krönender Abschluss des Spektakels, an dem immerhin durchschnittlich zweihundert Neuköllner mit ihren Tieren teilnehmen sollen, ist jeweils eine Tiertombola mit simultan übersetzenden Tierdolmetschern und einem riesigen Schokoladenkuchen in Form eines Hundehaufens als kulinarischer Höhepunkt.

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Nun wird das Straßenprojekt »Pet Parade« in der kommunalen Galerie des Bezirks im Saalbau an der Karl-Marx-Straße in einer Ausstellung präsentiert. In erster Linie dokumentiert die Schau das wiederkehrende Ereignis: Es gibt drei Videofilme der Paraden von 2006, 2007 und 2008, eine Serie von Fotografien mit Impressionen von den Umzügen, originale Plakate und Handzettel, ein Originalentwurf des Logos der bunten Tierparade sowie gesammelte Presseberichte und eine Vitrine mit Fundstücken. Am spannendsten ist es, sich die Videodokumentationen anzusehen. Schnell wird klar, dass die »Pet Parade« nicht nur bloßer Klamauk ist. Die stolzen Tierbesitzer präsentieren mit Eifer und sehr ernsthaft ihre Hunde, Katzen, Schildkröten, Nagetiere, Wellensittiche. Sogar ein Esel und Ziegen vom Kinderbauernhof auf dem Görlitzer Park sind dabei gewesen. Erwartungsgemäß dreht sich vieles um den Hund, des Menschen bester Freund und wohl noch immer Haustier Nummer eins. »Murphy«, »Athena« oder »Cookie« heißen die Vierbeiner, die Noël O’Callaghan zudem in zarten Aquarellen, mit Ölkreide oder auf Leinwand porträtiert hat. Die Zeichnungen und Ölbilder ergänzen zusammen mit zwei Installationen die Dokumentation.

So ambitioniert die Kunstaktion auch ist – eingefroren in einer Kunstausstellung überzeugt das Spektakel nicht so recht. Bis auf die Videofilme wirken die Exponate wie leblose Relikte, zum Teil einfach nur albern, und das ist die »Pet Parade« ja gerade nicht. Diese Form der Aktionskunst, die von der Teilnahme des Publikums lebt, sollte besser auf der Straße bleiben, denn dort bewirkt sie einfach mehr, ist authentisch und läuft nicht Gefahr, belächelt zu werden.

Bis 30. August, Galerie im Saalbau, Karl-Marx-Straße 141, Neukölln, Info-Tel: 68093772, www.pet-parade.de, Öffnungszeiten: Di – So 10 – 20 Uhr

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