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Von Dieter Hanisch 08.08.2009 / Menschen & Leben

Gemüse mit Rauschwirkung

Über die deutsch-dänische Grenze wird eine Droge geschmuggelt: Khat

Der normale Autofahrer schenkt Transportfahrzeugen Marke Sprinter keine Beachtung, Zollfahnder schauen genauer hin. Es könnte ja ein Kurierfahrzeug zum Schmuggel der exotischen Kaudroge Khat sein! Zuletzt ist die Zahl der Aufgriffe durch Fahnder gestiegen. Beamte haben einen wachsameren Blick. Dazu hat es den Anschein, dass die Schmuggelmenge gewachsen ist. Belege dafür gibt es aber nicht. Doch gilt als sicher: Die Dunkelziffer ist enorm. Experten meinen, täglich passiert weit über eine Tonne des geruchsintensiven Khats die deutsch-dänische Grenze.

Der Weg von Amsterdam über Norddeutschlands Straßen nach Skandinavien ist eine Route für Drogenkriminelle, die sich in den Niederlanden übrigens nicht strafbar machen, da Khat dort nicht als Droge, sondern als Gemüse gilt. Auch in Großbritannien ist Khat geduldet. Ansonsten wird die Pflanze europaweit als Droge eingestuft. Konsum wie Handel stehen unter Strafe. Abnehmer des Strunks sind in Dänemark und Schweden lebende Einwanderer aus Somalia und Äthiopien. Dreh- und Angelpunkt für Khat-Nachschub ist Amsterdams Flughafen Schiphol. Tonnenweise kommt die Ware an. »Wir wissen, dass die Maschinen aus Afrika dort spätestens gegen 12 Uhr landen und dann das Zeug auf Kurierfahrzeuge verteilt wird, die unverzüglich Richtung Skandinavien aufbrechen«, so Axel Hirth vom Zollfahndungsamt Hamburg.

Die Bundespolizei unterstützt den Zoll. Hand in Hand operiert man in Fahndungsteams. Oft dabei: ein Drogenspürhund. Allein die Bundespolizeidirektion in Bad Bramstedt teilt mit: 2007 wurden 6,8 Tonnen Khat sichergestellt, im Vorjahr stieg die Menge auf über zehn Tonnen. Dazu kommen Beschlagnahmungen durch Zoll und Landespolizei.

Meist trifft man die Kuriere der brisanten Fracht auf der Autobahn an, da für den Transport Eile geboten ist. Daher werfen dort ständig Fahnder als Zivilstreifen ein Auge auf Parkplätze, Raststätten sowie auf markante Kraftfahrzeuge. Dazu zählen Transporter, Pick-Ups und größere Kombis, die außer der Windschutzscheibe meist fensterlos sind oder abgetönte Scheiben haben. Weiteres Merkmal: Beschlagenes Fensterglas. Ob ein Wagen wegen großer Beladung tiefer liegt, ist auch ein Kriterium. Speziell ins Visier gerät solch ein Fahrzeug, hat es ein DK, S oder NL als Kennzeichen. »Selten treffen wir Kuriere in eigenen Autos an, meist sind Mietwagen unterwegs«, weiß Zollfahnder Hirth. Und auch über die Fahrer kann er einiges sagen. Oft sind es Afrikaner, die inzwischen die dänische Staatsangehörigkeit besitzen. Doch auch Niederländer, Schweden, vereinzelt Deutsche und Osteuropäer werden in den Drogenfahrzeugen angetroffen. Hirth: »Die Männer sind unbewaffnet, daher eigentlich ungefährlich. Eher verhalten sie sich ängstlich. Entdecken wir sie, ergreifen manche sofort die Flucht.«

Palle Linne, Leiter der Grenzpolizei in Pattburg, hält sich mit Aussagen über offenkundig in Dänemark lebende Hintermänner zurück. Die verdienen an einem Kilo Khat je nach Qualität 60 Euro und mehr. Im Vorjahr kassierten die dänischen Uniformierten rund sieben Tonnen der Kaudroge ein. Genau wie in Deutschland landen die Funde in der Müllverbrennung. Gelingt ein Zugriff, werden Fahrzeug und Ladung beschlagnahmt. Je nachdem, was die Personalienfeststellung ergibt, erfolgt eine vorläufige Festnahme. Hat ein EU-Bürger einen festen Wohnsitz und liegen über ihn keine strafrelevanten Erkenntnisse vor, kommt er frei. Die Menge des mitgeführten Khats spielt für die Bewertung, ob jemand in U-Haft genommen wird, ebenfalls eine Rolle. Laut Staatsanwalt Klaus Junker (Kiel) liegt das übliche Strafmaß für einen Khat-Kurier im günstigsten Fall bei sechs Monaten auf Bewährung, aber es seien auch schon Haftstrafen von einem bis drei Jahren verhängt worden.

Bei dem Pflanzenbüschel Khat (Catha edulis) handelt es sich um ein Naturprodukt, das seine Wirkung beim Kauen erzielt. Das in dem Strauch enthaltene Cathinon ruft Rauschzustände hervor, die nach Expertenangaben denen von Amphetaminen ähneln. Die Einnahme geht einher mit einer Steigerung von Herzfrequenz und Blutdruck. Khat-Konsum sorgt Stunden später für lethargisches Verhalten und kann zur Abhängigkeit führen. Mediziner warnen vor Folgeschäden wie Schlafstörungen und Impotenz. Nach längerem Genuss besteht auch die Gefahr von Tumorbildungen und Herzkrankheiten. Für Frauen gilt: Khat-Konsum während der Schwangerschaft schädigt das ungeborene Kind. Seit 1998 unterliegt Khat in Deutschland dem Betäubungsmittelgesetz. Besitz und Handel sind verboten.

Meistens wird Khat mit dem bitter-grasigen Geschmack nur gekaut. Um Entzündungen in Mund und Magen zu begegnen, wird Khat mit reichlich Flüssigkeit genommen. Es stellt sich Appetitlosigkeit ein, ein Hungergefühl schwindet. Zum Teil wird die biogene Droge auch als Aufgussgetränk zubereitet. D.H.

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24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

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