Von Thomas Niklaus und Jürgen Zelustek (SID), Baku
12.08.2009

Hausaufgaben in Baku

WM-Qualifikation: Deutschlands Fußballer treffen heute auf Aserbaidshan und Berti Vogts

Der kleine Konferenzraum im modernen Sitz des Aserbaidshanischen Fußball-Verbandes war bis zum Bersten gefüllt. Nur mühsam konnte sich Hauptdarsteller Berti Vogts durch zwei Dutzend Kamerateams den Weg zu dem kleinen Podest bahnen, ehe er ein Loblied auf den deutschen Fußball anstimmte. »Dem deutschen Fußball stehen goldene Zeiten bevor«, prophezeite der frühere Bundestrainer vor dem WM-Qualifikationsspiel zwischen seinem Arbeitgeber Aserbaidshan und Deutschland heute Abend um 18 Uhr in Baku. »Mit Joachim Löw, Oliver Bierhoff und auch Matthias Sammer ist der deutsche Fußball hervorragend aufgestellt. Zudem macht sich jetzt die gute Jugendarbeit bezahlt«, schwärmte der Europameister-Coach von 1996 und bezeichnete den Vize-Europameister gleich als »beste Mannschaft der Welt«.

Bei aller Lobhudelei für die DFB-Auswahl schloss Vogts trotz seiner bisherigen Ausbeute von null Siegen und null Toren in der WM-Qualifikation eine Sensation gegen den Goliath nicht aus. »Wenn die Deutschen uns nicht ernst nehmen, kann es eine Überraschung geben. Vielleicht sind sie ja so freundlich und lassen ein Gegentor zu«, sagte Vogts.

Bundestrainer Joachim Löw, der nicht zuletzt auf Anraten von Vogts unter Jürgen Klinsmann 2004 als Assistent zum DFB gekommen war, machte aber deutlich, dass es dazu nicht kommen werde: »Wir müssen ganz egoistisch sein. Denn im Moment ist Berti Vogts mit seiner Mannschaft nur ein Konkurrent.« Trotz schwieriger Bedingungen beim Kaltstart in die WM-Saison lässt Löw keine Ausreden gelten. »Es ist klar, dass der Rhythmus noch nicht so vorhanden ist, aber ich erwarte, dass wir die Vorgaben umsetzen und uns mental auf die Bedingungen einstellen. Ansonsten kann es verhängnisvoll werden«, sagte der 49-Jährige auf dem langen Flug von Frankfurt am Main nach Baku.

Immerhin steht dem DFB-Team heute im Tofik-Bachramow-Stadion, benannt nach jenem aserbaidshanischen Linienrichter, der im WM-Endspiel 1966 den Ball beim legendären Wembley-Tor der Engländer gegen Deutschland hinter der Linie gesehen hatte, nicht die befürchtete Hitzeschlacht bevor – bei der Ankunft herrschten nur 21 Grad. Zudem konnte Löw nach dem Ausfall des verletzten Lukas Podolski bei Miroslav Klose endgültig Entwarnung geben. »Er hat noch leichte Schmerzen, aber ich gehe davon aus, dass er einsatzfähig ist«, sagte Löw. Der 31 Jahre alte Stürmer, dessen Mitwirken wegen einer Knochenhautentzündung zunächst fraglich war, saß ebenso im Airbus wie Kapitän Michael Ballack, der den Bruch seiner kleinen Zehe endgültig überwunden hat. »Er ist in einer guten Verfassung und kann voll in die Zweikämpfe gehen«, so Löw.

Teammanager Oliver Bierhoff plant »bei allem Respekt vor Aserbaidshan mit einem Sieg« und blickt bereits zum »Gruppenfinale« am 10. Oktober in Russland voraus. »Dann hätten wir für das Duell mit dem größten Widersacher eine gute Ausgangsposition.« Löw erklärte das Russlandspiel dagegen zum Tabu und auch Ballack warnte: »Zuerst müssen wir unsere Hausaufgaben machen und gegen Aserbaidshan drei Punkte holen. Wenn wir nicht konzentriert sind, werden wir stolpern.«

Voraussichtliche Aufstellung:
Enke - Lahm, Mertesacker, Tasci, Schäfer - Schweinsteiger, Hitzlsperger, Ballack, Trochowski - Gomez, Klose.


Die WM-Qualifikationsspiele

Gruppe 4:
Aserbaidshan - Deutschland

1. Deutschland 6 18:4 16
2. Russland 6 12:3 15
3. Finnland 6 8:10 10
4. Wales 7 5:7 9
5. Aserbaidschan 5 0:5 1
6. Liechtenstein 6 1:15 1

Gruppe 3:
Slowenien - San Marino

Gruppe 6:
Belarus - Kroatien

Gruppe 7:
Färöer - Frankreich

Gruppe 9:
Norwegen - Schottland

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