Von Andreas Heinz
12.08.2009

Fußgängerbrücke als Barriere

Nach Behindertenprotest ist der Bahn-Konzern gesprächsbereit / Arbeitsgruppe soll Lösung finden

Barrierefreie Brücke über die Spree gefordert: Behinde
Barrierefreie Brücke über die Spree gefordert: Behinderte diskutierten mit Vertretern der Bahn-Konzernzentrale. Fotos: Ulli Winkler

Der Behindertenprotest gestern vor der Bahn-Zentrale brachte gleich einen ersten Erfolg: Verantwortliche des Konzern kamen zu einem kurzen Gespräch mit dem Vorsitzenden des Berliner Behinderten-Verbandes (BBV), MdB Ilja Seifert (LINKE), vor die Türen des Hochhauses am Potsdamer Platz. Rund 40 BBV-Mitglieder engagierten sich für einen behindertengerechten Umbau der Fußgängerbrücke vom Bahnhof Friedrichstraße über die Spree zum Schiffbauerdamm. »Wir wollen und müssen Lösungen finden«, ließ der Wettbewerbsbeauftragte des Bahn-Konzerns, Joachim Fried, über Megafon wissen.

Der laxe Umgang der Bahn-Verantwortlichen mit der gesetzlich festgeschriebenen Barrierefreiheit hatte den Bundestagsabgeordneten Seifert und seine Mitstreiter auf die Barrikaden getrieben. »Seit dem 6. Juli wird die Fußgängerbrücke saniert«, so Seifert. Treppen und Geländer werden instand gesetzt und eine neue Beleuchtung installiert. Anfang September sollen die Arbeiten beendet sein.

Den BBV-Vorsitzenden empört die Argumentation der Bahn, mit der sie sich seiner Überzeugung nach vor einem behindertengerechten Umbau drücken will. »Wenn alle wichtigen Teile erneuert werden, nennt man das gründliche Sanierung«, so Seifert. Wenn man bestehende Gebäude oder Anlagen gründlich saniere, müsse für Barrierefreiheit gesorgt werden. Und gerade Brücken sollten verbinden und keine Barrieren sein.

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Der Bundestagsabgeordnete: »Das bestimmen die Landesbauordnung, die Behindertengleichstellungssetze von Bund und Land, die UN-Behindertenrechtskonvention und nicht zuletzt der Anstand und die Achtung vor Menschen mit Behinderungen.« Im konkreten Fall sei der An- oder Einbau von Schrägaufzügen ein geeignetes Mittel, meinte Seifert. Aber nichts dergleichen sei von der Bahn als Eigentümerin der Brücke geplant, so der Vorwurf des Verbandes.

Der durch Lautsprecher verstärkte Protest rief zuerst Hartmut Sommer von der DB-Konzernzentrale auf den Plan. Der Sprecher für Politik und Wirtschaft versuchte Seifert von einem Gespräch im kleinen Kreis in der Zentrale zu überzeugen. Darauf ließ sich der BBV-Vorsitzende jedoch nicht ein: »Entweder alle oder keiner.« Seifert beharrte auf einer öffentlichen Unterredung und hatte Erfolg. Wenig später erschien Joachim Fried vom DB-Konzern.

Der äußerte wie sein Kollege Sommer »volles Verständnis« für das Anliegen der Behinderten. Gleichzeitig sagte er ein Treffen mit Vertretern der Bahn, der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und der Behinderten zu. »Wir sind bereit zur Zusammenarbeit«, sagte er. Gemeinsam wolle man zu einer Lösung kommen. Bahnsprecher Burkhard Ahlert gab zu bedenken: »Der Einbau von Aufzügen wird allein von der Statik her problematisch.« Die Fußgängerbrücke sei in die Eisenbahnbrücke nur eingehangen.