Gepresste Teppiche sind kein Ersatz. Bislang werden bei der Magna Powertrain GmbH im kleinen Ort Roitzsch bei Bitterfeld die Verteilergetriebe für dicke Autos – so genannte SUV, die so aussehen, als könnten sie die Tundra durchqueren, auch wenn sie nur für die Fahrt zum Bäcker genutzt werden – montiert. Knapp 160 Mitarbeiter verdienen damit ihre Brötchen. Doch Magna möchte die Getriebeproduktion umverlagern; und in Roitzsch könnten künftig womöglich nur noch Verkleidungen für Pkw-Innenräume hergestellt werden – »Teppiche, die gepresst und zugeschnitten werden«, sagt Betriebsratschef Tobias Wolf. Für die Belegschaft hätte das fatale Folgen: »Die Arbeit reicht womöglich nur noch für 30 bis 40 Leute.«
Als Unternehmen, das für Jobverlust sorgt, ist Magna derzeit nicht im Gespräch – im Gegenteil: Der österreichisch-kanadische Zulieferer gilt als Wunschlkandidat der deutschen Politik bei der Übernahme des Autoherstellers Opel. Käme der Deal zustande, könnte sich Magna als Retter tausender Arbeitsplätze feiern lassen. Mitarbeiter in Roitzsch bangen derweil um ihre Zukunft: »Es blieben 110 bis 120 Arbeitsplätze auf der Strecke«, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Betriebsrat und IG Metall.
Über die Gründe für die mögliche Umverteilung hat man die Kollegen bislang im Unklaren gelassen. Es sei auf die Wirtschaftskrise und interne Entscheidungen von Magna verwiesen worden, das mit 74 000 Beschäftigten zu den größten Automobilzulieferern weltweit gehört. »Aber wir wissen nichts Konkretes«, sagt Wolf. Im ersten Halbjahr 2009 hatte der Konzern einen Umsatzeinbruch von 45 Prozent auf 7,3 Milliarden Dollar und einen Verlust von 405 Millionen Dollar hinnehmen müssen.
Betriebsrat und IG Metall betonen, das Werk in Sachsen-Anhalt sei ein »äußerst rentabler, kompetenzstarker und konkurrenzfähiger Standort«. Das Werk wurde Ende der 90er Jahre von Daimler-Chrysler auf der Grünen Wiese angesiedelt und ging später an Magna über. Es ist heute die einzige Konzernfiliale im Bereich Getriebefertigung in Deutschland.
Betriebsrat und Gewerkschaft vermuten einen Zusammenhang zwischen der teilweisen Abwicklung des Werkes in Roitzsch und der Opel-Übernahme. Da Magna derzeit »flächendeckend« konsolidiere, sei der »Verdacht naheliegend«, man wolle »zusätzliche Opel-Arbeitsplätze durch den Wegfall bestehender Arbeitsplätze kompensieren«. Wegen der angekündigten hohen staatlichen Subventionen bei einer Opel-Übernahme müsse aber sichergestellt sein, dass es um zusätzliches Geschäft und nicht um eine Neuausrichtung gehe.
Nicht nur bei den Beschäftigten läuten die Alarmglocken, auch in der Landespolitik ist man beunruhigt. Es drohe die »faktische Zerschlagung« des Werkes, warnt Linksfraktionschef Wulf Gallert. Er fordert die Landesregierung auf, sich »endlich aktiv« für den Erhalt des Unternehmens einzusetzen. Das Land brauche zukunftsfähige Produktionsstandorte und nicht nur verlängerte Werkbänke.
Im Wirtschaftsministerium wird lediglich auf intensive Kontakte mit dem Unternehmen verwiesen, ohne dass Details genannt würden. Man sei »seit geraumer Zeit im Gespräch« und habe Unterstützung angeboten, sagte Sprecher Rainer Lampe. An anderer Stelle heißt es indes vielsagend, man versuche »zu erreichen, was noch zu erreichen ist«.
Das Manga-Management weist die Befürchtungen derweil als völlig grundlos zurück: »Wir sperren hier nicht zu«, sagte Werksleiter Franz Jammernegg. Auch 2010 würden neben Innenverkleidungen weiter Getriebe gefertigt – mit nahezu unveränderter Mannschaft: »Der Standort bleibt erhalten.« Die Behauptung, es gebe einen Zusammenhang zur Opel-Übernahme, nannte er auf ND-Anfrage »an den Haaren herbeigezogen«.
Aktuelle Ausgabe: 23.05.2012
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