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Von Tobias Riegel
14.08.2009

Deutschland wieder teilen!

Die satirische »Partei« als Film

Der Ehrenvorsitzende redet sich in Rage. »Wir sind eine Gruppierung mit eindeutig autoritären und verkrusteten Strukturen. Und wir bewegen uns absichtlich nur in eingefahrenen, überholten Denkmustern«, ruft der »Willy Brandt der Partei«, Oliver Maria Schmitt, unter Beifall. »Zudem hat die Partei immer Recht.« Kunstpause. »Auch da, wo sie irren mag!« Auf dem Wahlzettel wird man sie im September aber nicht finden, diese offenherzige politische Gruppierung. Denn die vom ehemaligen Chefredakteur der Satirezeitschrift »Titanic«, Martin Sonneborn, gegründete Partei »Die Partei« wurde vergangene Woche vom Bundeswahlleiter abgelehnt – eine Entscheidung, die Sonneborn auf internationaler Ebene anfechten möchte. »Ich erhoffe mir dabei natürlich Unterstützung aus Iran und Nordkorea«, so der Bundesvorsitzende. Gestern startete in den Kinos ein »innovativer Propaganda-Dokumentarfilm« über die bisherige Arbeit der politisch herrlich unkorrekten Truppe. Deren Hauptforderung: »die endgültige Teilung Deutschlands«.

Flankiert von der »Hintnerjugend« und gewappnet mit »grauen C+A-Anzügen als Mittel zur Macht« erregte die 2004 aus der Taufe gehobene radikale Spaßpartei bald Aufsehen. Mal forderte sie in der Dresdner Innenstadt den »Abriss der Frauenkirche zum Wiederaufbau der Mauer«, mal baute man im hessischen Phillippsthal symbolisch ein Stück Grenzwall wieder auf. Sonneborn bei dieser Gelegenheit zu einem erregten Ostdeutschen: »Wir wollen Sie doch nicht wieder einmauern – wir wollen Sie ausmauern.« Als »charismatischer Menschenfischer« will er einen »billigen, schmierigen und populistischen« Wahlkampf führen. »So wie die anderen Parteien.« Gewählt wurde der Bundesvorsitzende übrigens während eines nur eineinhalb-stündigen Parteitags, von »willigem Stimmvieh«, wie er die Delegierten nennt.

Die als straff geführte Kader-Clique auftretenden Polit-Clowns zelebrieren in der in reißerischer Guido-Knopp-Manier gehaltenen Dokutainment-Farce das Prinzip Sündenbock bis zum Exzess und geben es dadurch der Lächerlichkeit preis. »Wir verkünden doch nur die unbequeme Wahrheit, dass im Grunde der Osten an allen Problemen schuld ist«, doziert Sonneborn vor Passanten. »Westdeutschland wird vom Osten ausgeplündert und sieht schon aus wie die frühere DDR!« In der Krefelder Innenstadt erntet er mit solchem Nonsens tatsächlich zustimmendes Gemurmel.

Was der Kunstfigur Sonneborn dabei vorgeblich »der Osten«, sind echten Konservativen die »Sozialschmarotzer«, »Asylbetrüger« oder »Postkommunisten« – bei denen aber ist es ernst gemeint. So entlarvt die dreiste Gleichmachung der Satiriker die »realen« Spukgeschichten der Politik.

Dafür nutzen Sonneborn und seine »Titanic«-Kollegen die gleiche Undercover-Taktik wie Hape Kerkeling als Horst Schlämmer oder Sasha Baron Cohen als Borat. Indem sie sich wahlweise als Antisemiten (Borat), sexistische Alkoholiker (Schlämmer) oder extremistische Demagogen (Sonneborn) gerieren, verleiten sie erschreckend viele Menschen dazu, ihre schlimmsten Vorurteile zu offenbaren. Doch im Gegensatz zu Schlämmer oder Borat macht sich Sonneborn nicht volkstümelnd mit den Bürgern gemein. Er mimt den skrupellosen, gerissenen und arroganten Machtmenschen.

Komisch wird es, wenn Kritiker Sonneborns Provokationen für bare Münze nehmen. So fragten etwa die satireresistenten Kollegen vom »Berliner Kurier« nach seinem letztem Film »Heimatkunde« entsetzt: »Wie kann man Ossis nur so hassen?« Und praktizierten damit genau die Pauschalisierung, die Sonneborn persifliert. Der Erfolg der Kunstfiguren spricht jedenfalls für ein großes Bedürfnis nach diesen Rollenspielen, die einen scheinbar ungefilterten Blick in die Abgründe der Volksseele oder hinter die Propaganda versprechen. In den USA werden den Polit-Parodien des großartigen Jon Stewart teils mehr Glauben geschenkt als den »echten«, noch absurderen »Fox«-Nachrichten. Je verlogener das Vorbild, desto erfrischender die Verhöhnung.

Und die gelingt der »Partei« immer wieder. So wurde die vollbusige Kanzlerkandidatin Samira El Ouassil – der Austauschbarkeit aktueller Kanzleraspiranten angemessen und getreu dem Motto »Kanzlerin ja, aber schöner« – bei einer Castingshow ermittelt. Sonneborn unterstreicht: »Es soll ein Rock durch Deutschland gehen.« Der findet übrigens auch selbstkritische Töne, etwa was sein Charisma angeht: »Es ist natürlich schwierig, mit Ausstrahlungsgranaten wie Obama oder Hitler mitzuhalten.«

Tatsächlich ist Sonneborn ein brillanter Schreiber – ein begnadeter Entertainer wie Kerkeling oder Cohen ist er nicht. Durch seine Trockenheit wirkt er zwar um einiges gruseliger als seine Comedy-Gegenstücke, bleibt aber eine darstellerische Schwachstelle in einer trotzdem manchmal urkomischen, manchmal bizarren Polit-Persiflage mit einigen Längen. Als Film also eher was für echte »Titanic«-Fans, geht der Streifen als entlarvender Kommentar aber jeden etwas an. Außer FDP-Mitglieder – die haben laut Sonneborn Kinoverbot.

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