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Los geht's! Start am Freitag auf dem Gendarmenmarkt.
Foto: ND/Burkhard Lange
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Auf dem Gendarmenmarkt starteten am Freitag um 14 Uhr vier Tandem-Teams zu einer langen und ungewöhnlichen Tour. In ihren roten Fahrradshirts mit den Aufdrucken des Vereinslogos und der Sechs-Punkte-Tour sowie der Internetadresse in Normal- und Blindenschrift werden sie auf der 1400 Kilometer langen Strecke ganz sicher auf sich aufmerksam machen.
»Eines unserer Ziele ist es, neue Förderer zu finden und auch auf unsere Hilfsprojekte aufmerksam zu machen«, erklärte Thomas Nicolai, Initiator der Tour und Vorsitzender des Vereins Tandem-Hilfen e. V. Mit der »Sechs-Punkte-Tour« möchte der Berliner Verein zudem den Erfinder der Blindenschrift Louis Braille würdigen, der vor 200 Jahren geboren wurde. Die blinden Tandem-Fahrer und ihre Piloten tragen die Botschaft von Berlin nach Paris: Es geht nur gemeinsam, Bildung und Integration blinder Menschen ist kein Randgruppenthema.
Unter diesem Motto setzt sich der im Mai dieses Jahres gegründete Verein schon seit 2004 für verbesserte Bildungsmöglichkeiten blinder Kinder und Jugendlicher in Osteuropa ein. »Damals waren wir noch eine private Initiative, nun hoffen wir als Verein, unsere Hilfe ausweiten zu können«, meint Nicolai, der selbst stark sehbehindert ist. Zukünftig möchte der Verein neben Blindenschulen in Osteuropa auch die in Kuba mit Hilfsmitteln unterstützen. Zudem werben sie für das Tandem-Fahren als integrative Sportart.
Aber es wird nicht nur per Tandem geradelt auf der Tour, die am 31. August in Paris endet. An sechs Orten finden ebenso Tandem-Lesungen statt. »In Berlin, Holzminden, Witten, Köln, Trier und Paris machen wir die Blindenschrift für ein interessiertes Publikum bei Lesungen erlebbar. Und wie es sich für Tandem-Fahrer gehört, sind auch bei diesen Veranstaltungen immer mindestens zwei Akteure aktiv – ein blinder und ein sehender«, erklärt Nicolai. Das Konzept, Sport und Kultur zu verbinden, kommt dem Verein entgegen. Er ist damit Teil der Tour de Braille. Dieser bundesweite Lesemarathon wurde von Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband e. V. initiiert und findet seinen offiziellen Abschluss mit dem Braille-Festival Ende August in Hannover.
Da es nicht einfach sein wird, rechts und links der Strecke Sponsoren zu finden, hat Tandem-Hilfen schon im Vorfeld ein Benefizkonzert veranstaltet und Spenden bekommen, die sie dieser Tour anrechnen. Auch freuen sich die Teilnehmer über Zuwendungen zu den Tandem-Lesungen, deren Eintritt frei ist. Außerdem haben Kommunen, wo gelesen wird, und Einzelpersonen Spenden zugesagt. »Dennoch kommt es uns nicht nur auf den finanziellen Erfolg an«, meint Nicolai, der mit seinen 58 Jahren der älteste Teilnehmer ist. »Wir freuen uns auf überraschende, interessante Begegnungen an der Strecke und auf neue, europaweite Kontakte.« Die Teilnehmer selbst sind mit hohem persönlichem Anteil an den Aktionen beteiligt. Sie tragen die Kosten und nehmen ihren Urlaub dafür. Alles, was sie brauchen, ist in den Radtaschen. Auf ein Begleitfahrzeug, das sonst immer auf ihren Touren durch den Balkan oder ins Baltikum dabei und mit Hilfsgütern beladen war, verzichteten sie. Alle Zuwendungen kommen so den künftigen Hilfsprojekten, insbesondere den Blindenschulen in Kaliningrad und in Lettland, und eben auch Kuba zugute.
Die Tour kann man im Internet unter www.tandem-hilfen.de verfolgen. Der 18jährige Franz, jüngster Radler im Team, wird ein Tourentagebuch führen. Beim Start vor dem Französischen Dom und auch auf Teilstrecken haben sich schon Mitfahrer angesagt. Weitere sind willkommen.
Aktuelle Ausgabe: 23.05.2012
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