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Die Kritik kommt von einem Insider: Als »Sündenfall« bezeichnete der Generalsekretär der Welthungerhilfe, Wolfgang Jamann, die »zivil-militärische Zusammenarbeit« der Bundesregierung in Afghanistan. Seit den achtziger Jahren ist die Welthungerhilfe am Hindukusch in Sachen Ernährungssicherung aktiv – zivil versteht sich. Nur dass durch die zivil-militärische Kooperation aus Sicht der Taliban auch Entwicklungshelfer längst zum militärischen Ziel avanciert sind. »Nie war die Sicherheitslage für Entwicklungshelfer so explosiv wie jetzt«, schrieb Jamann in seinem Gastbeitrag in der »Bild am Sonntag« und zitierte einen Bericht: Der Juli mit 23 Sicherheitsvorfällen und fünf Toten war bisher der schlimmste Monat dieses Jahres. Das von Jamann benannte Problem ist indes alles andere als neu. Seit Beginn des Afghanistan-Feldzugs setzte die US-Armee auf eine Doppelstrategie, warf Bomben und Bohnen ab. Schließlich sollten die Bevölkerung und die Weltöffentlichkeit überzeugt werden, dass saubere Kriege möglich seien: Bomben für die bösen Taliban, Bohnen für die gute Zivilbevölkerung. Ganz so krass ist die deutsche Strategie zwar nicht, aber die Tendenz ist dieselbe: Zur Abwehr externer Gefahren und zur Krisenprävention wird auf das Zusammenwirken von zivilen und militärischen Maßnahmen gesetzt. Die Konsequenz ist die Erosion der Eigenständigkeit und Unabhängigkeit von Entwicklungspolitik. Der Preis sind unter anderem tote Entwicklungshelfer.
Dass die Entwicklungshelfer nicht in den Militärcamps leben, mag für das Bundesentwicklungsministerium ein Unterscheidungskriterium sein, für die Taliban ist es das nicht. Wer Entwicklungspolitik mit Terrorismusbekämpfung verquickt, schaufelt ersterer ein Grab. So viel zumindest ist todsicher.
Aktuelle Ausgabe: 23.05.2012
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