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Von Wilfried Neiße 18.08.2009 / Berlin / Brandenburg
Brandenburg

Gegen Ausbau zur preußischen Puppenstube

Die Linkspartei will gemeinsam mit Studenten die Potsdamer Innenstadt für Uni und Jugend erhalten

Der konservative Durchmarsch beim Umbau der Potsdamer Innenstadt ist im Großen und Ganzen nicht mehr aufzuhalten. Die LINKE bemüht sich gemeinsam mit Studenten, letzte Inseln nicht widerstandslos preiszugeben und so viel Jugend und Wissenschaft wie möglich in der Stadtmitte zu halten. Am Montag präsentierte die Linkspartei einen Fragebogen, auf dem bis zum 18. September Studierende und andere Bürger ihre Meinung zur künftigen Nutzung der Innenstadt äußern sollen. Die besten Ideen sollen veröffentlicht werden. Währenddessen dröhnte massiver Baulärm in die Veranstaltung, kündete davon, dass die Schloss-Erbauer bereits auf dem Vormarsch sind.

Städtebaulich sei das die »Luxus-Variante« gewesen, sagte Linken-Landtagsabgeordnete Anita Tack und verwies drauf, dass die Stadt mit einem angekündigten 18-Millionen-Defizit im kommenden Jahr an dieser Stelle aus dem Vollen schöpfe.

Spätestens 2012 wird die Fachhochschule Potsdam ihren letzten innerstädtischen Hochschulstandort räumen, an dem noch Lehre stattgefunden hatte, sagten Studenten. Jens Gruschka, Linken-Stadtverordneter in Potsdam, trat für einen Campus im Stadtzentrum ein. Dass angesichts des Ansturms von Studierenden die Gebäude der Potsdamer Universität »aus allen Nähten platzen«, beklagte Claudia Fortunato, Landessprecherin der Linksjugend.

Aus ihrer Sicht befindet sich die Finanzverteilung in einer Schieflage, wenn Abermillionen dafür ausgegeben werden, dass Potsdam für Touristen attraktiv gemacht werde, während für den Erhalt von Jugendkultur-Einrichtungen in der Stadt um wenige hundert Euro gestritten werde.

Student Norbert Müller, er ist Landtags-Kandidat der Linken, sprach von der »Perversion«, dass der neue Landtag im Stadtzentrum eine barocke Fassade erhalten solle, was keineswegs eine geeignete Bauhülle für den demokratischen Landtag sei. Dass der Landtag den Standort auf dem Brauhausberg verlasse und gewissermaßen »auf Augenhöhe« mit den Bürgern herabsteige, sei zu begrüßen. Nicht jedoch, dass die Bedingungen für die Studierenden sich verschlechtern, während sich die Universitätsleitung zu diesen Problemen gegenüber der Politik ausschweige.

Nach 15-jährigem Tauziehen hat sich für Potsdam eine städtebauliche Konzeption durchgesetzt, die sich ausschließlich an feudalen Vorbildern orientiert. Die Stadt soll mit aller Macht wieder das werden, was sie schon einmal war: die preußisch-deutsche Puppenstube.

Derzeit gähnt auf dem Areal nichts als eine große Grube. Straßen und Schienen sind mit Millionenaufwand verlegt worden. Ob der Bau tatsächlich realisiert werden kann, beginnt angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise fraglich zu werden. Bauherr ist auf jeden Fall das Land. Die Stadt Potsdam steuerte laut Anita Tack alles in allem 30 Millionen Euro dazu bei.

Gegenüber ursprünglichen Planungen hat sich der Neubau des Brandenburger Landtags schon um mindestens ein Jahr verzögert. Der dann später ausgegebene Termin der Fertigstellung – Mitte 2011 – wird mit Sicherheit auch nicht gehalten.

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