Sprungmarken: Inhalt, Navigation.
Schnellsuche

Erweiterte Suche

Von René Gralla 22.08.2009 / Menschen & Leben
Kurzweil

Für die Freiheit des Denkens

In Hamburg arbeitet die Logistikzentrale des deutschen Go-Spiels

Hannah gegen Ex-Weltmeisterin Yoon Young Sun.
Hannah gegen Ex-Weltmeisterin Yoon Young Sun.

Die Schlümpfe tragen weiße oder schwarze Monturen und Helme. Manche schauen cool, andere ballen die Fäuste. Unversehens schwingt sich von außen noch ein kleiner Mann in die Arena und verstärkt die Schwarzen. Und nun machen die Weißen lange Gesichter, weil sie merken, dass sie unweigerlich eingekesselt werden. Während die anderen feixen.

Ein frecher Comic über einen Zwergenaufstand. Und doch viel mehr: Die Keilerei der Wichtel bildet in Wahrheit einen typischen Schlagabtausch im Go ab. Dabei versuchen die Gegner, möglichst große Territorien abzustecken und feindliche Truppenteile gefangen zu nehmen. Vielleicht ist Go schon vor 4000 Jahren in China entstanden, trotzdem ist das strategische Spiel derart frisch geblieben, dass ihm der Sprung sogar in die Bildersprache der Popkultur geglückt ist.

»Level Up!« heißt die koreanische Edition, die Diagramme und Cartoons kombiniert, um Kinder an Go heranzuführen. Die großformatigen Bände gehören zum Sortiment des Hebsacker Verlages in Hamburgs südlichem Stadtteil Harburg, desgleichen die beliebte Mangareihe »Hikaru no Go« aus Japan. Die Geschichte des Jungen Hikaru, der, animiert vom Geist eines Meisters aus der Heian-Ära, die Denksportszene in Tokio aufmischt, hat unter Nippons Teenagern einen regelrechten Run auf Go-Schulen und -Vereine losgetreten. Ein Boom, der zeitverzögert auch Deutschland erreicht hat, wie Tobias Berben beobachtet, der zusammen mit Lebenspartnerin Steffi Hebsacker ihren vor sieben Jahren gegründeten Verlag führt. Zu den Trainingsabenden des Hamburger Go-Klubs, der in friedlicher Koexistenz mit einer Schachgruppe im CVJM-Heim an der Alster tagt, kommen viele Jugendliche, die vorher »Hikaru no Go« gelesen haben, während sich nebenan zum üblichen Mattspiel bloß ein paar ältere Herren versammeln.

Hebsacker und Berben hatten das Go-Projekt 2002 gestartet, um dem damaligen Mangel an Spielmaterial und Literatur in deutscher Sprache anzuhelfen. Inzwischen ist das Unternehmen derart gewachsen, dass zur Firma, deren Geschäftszentrale sich in der Etagenwohnung von Steffi Hebsacker und Tobias Berben in Hamburgs Stadtmitte befindet, auch ausgedehnte Lagerräume im Hof des Hauses gehören.

Das Team Hebsacker hat sich etabliert als Cheflogistiker der heimischen Go-Szene, die von über 2000 Aktiven getragen wird. Ohne Verbandsmitgliedschaft messen sich bundesweit rund 20 000 Fans mehr oder minder regelmäßig auf dem Feld der 19 x 19 Linienkreuze.

Steffi Hebsacker hat über Karate und Kendo zum Go gefunden. Seit einer Schulterverletzung konzentriert sich die 41-jährige Industriekauffrau auf die virtuellen Duelle am Brett. Hier schätzt sie die »Verbindung von Meditation und Kampf«. Tobias Berben mag beim Go »die Freiheit des Denken«. Die offene Spielanlage schränkt die Optionen weniger ein als beim Schach. »Du musst keine Eröffnungsliteratur pauken, um einsteigen zu können und bald erste Erfolgserlebnisse zu haben.«

Inzwischen rüstet sich auch schon der Nachwuchs für größere Aufgaben: Töchterchen Hannah, die noch nicht einmal drei Jahre alt ist, hantiert bereits begeistert mit den weißen und schwarzen Steinen.

www.hebsacker-verlag.de

www.dgob.de

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Kommentare zu diesem Artikel

Kommentar schreiben (Login erforderlich)
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Ihre Meinung zu diesem Artikel

LINKE unter Beobachtung

Mindestens 27 Bundestagsabgeordnete der Linksfraktion werden vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) beobachtet. Dazu kommen - offiziell - noch elf LINKE- Fraktionsmitglieder in verschiedenen Landtagen. Die Linksfraktion will nun einen Beschluss des Bundestages, um die Beobachtung der Partei DIE LINKE zu beenden.

Alle Dossiers

Frisch gebloggt
04.02.2012 | Marcus Meier

Grüner Kapitalismus?

Alle Blogs

Facebook
Twitter

Zum Shop

nd-ePaper

Wichtige Infos zum nd-ePaper

Hier finden Sie alles zu den Änderungen an »Mein nd« und dem ePaper
nd-Probeabo

Jetzt »nd« testen

Hier Ihre kostenlose Leseprobe bestellen.
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Werbung:

Werbung:

Sprungmarken: Seitenanfang.