Von Uwe Kalbe
26.08.2009

Kindergeburtstag für den Bankchef

Josef Ackermann war Gast der Kanzlerin und durfte sich Freunde mitbringen

Verschwendung von Steuergeldern oder scheinheilige Kampagne? Nach der Dienstwagen-Affäre um Gesundheitsministerin Ulla Schmidt sorgt nun ein Abendessen, ausgerichtet von der Bundeskanzlerin zu Ehren des Chefs der Deutschen Bank, Josef Ackermann, für Schlagzeilen.

Seit Wochenbeginn braut sich Ungemach über dem Bundeskanzleramt in Berlin zusammen. Es mehren sich die Vorwürfe, die sich auf ein Essen im April letzten Jahres im Kanzleramt beziehen. Anlass des Beisammenseins war der 60. Geburtstag von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, diesem war es auch freigestellt worden, die Gäste auszuwählen, weshalb die Öffentlichkeit von der Frage bewegt wird, ob es sich dabei um ein privates oder um ein gesellschaftliches Mahl handelte.

In ihrer Antwort auf eine entsprechende Frage der LINKE-Haushälterin Gesine Lötzsch, die die Lawine damit ins Rollen brachte, legt die Bundesregierung Wert auf die Feststellung, dass niemand im Kanzleramt seinen Geburtstag gefeiert habe. »Den 60. Geburtstag des Chefs der Deutschen Bank hat die Bundeskanzlerin vielmehr zum Anlass genommen, am Dienstag, dem 22. April 2008, im repräsentativen Bereich ihres Kanzlerbüros ein Abendessen mit Vertretern aus Wirtschaft und Gesellschaft auszurichten.« Teilnehmer des handverlesenen Kreises waren dem Vernehmen nach Vorstände und Aufsichtsräte von Banken und Konzernen wie BASF, Bayer oder Springer ebenso wie Bildungsministerin Annette Schavan oder der TV-Moderator Frank Elstner.

Die SPD sieht die Gelegenheit, den Ärger um die Dienstwagen-Affäre der Gesundheitsministerin vergessen zu machen, und fordert empört Aufklärung über den fragwürdigen Einsatz von Steuermitteln. Sollte bei der Feier der private Charakter im Vordergrund gestanden haben, wäre das »nicht statthaft«, sagte Parlamentsgeschäftsführer Thomas Oppermann. »Das ist ziemlich grenzwertig«, ergänzte der Haushaltsexperte Johannes Kahrs.

Sein CDU-Kollege Steffen Kampeter nennt dies scheinheilig. Solche Treffen bei der Kanzlerin fänden regelmäßig statt, auch die Kritiker hätten an solchen schon teilgenommen. Ackermann selbst hatte in einem Fernseh-Portrait über die Kanzlerin gesagt, dass Merkel eine Geburtstagsfeier für ihn im Kanzleramt gegeben habe. Merkel habe ihm gesagt, sie würde gerne etwas für ihn tun. Er solle 30 Freunde und Freundinnen einladen, mit denen er gerne einen Abend zusammen sein würde im Kanzleramt. Kindergeburtstag auf höchstem Niveau. »Es war ein wunderschöner Abend«, so Ackermann.

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